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Boombranche und Infrastrukturausbau – Sachsens Radverkehr holt auf 

Boombranche und Infrastrukturausbau – Sachsens Radverkehr holt auf 

Welchen Stellenwert hat der Radverkehr in der Verkehrsplanung des Freistaates und der Kommunen? Welche Herausforderungen gibt es beim Bau und der Planung von Radverkehrsinfrastruktur? Wie ist die sächsische Fahrradwirtschaft aufgestellt? Beim heutigen Thementag mit Verkehrsminister Martin Dulig in Chemnitz dreht sich alles um das Thema Fahrrad. 

Straßenbegleitende Radwege an Bundes- und Staatsstraßen

Für die Verkehrswende hat das Fahrrad als ressourcenschonendes Verkehrsmittel eine große Bedeutung. Der Freistaat stärkt den Radverkehr und unterstützt die Mobilitätswende – denn das Rad ist nachhaltig, umweltfreundlich und trägt zur Gesundheitsförderung sowie zur Belebung der Städte bei. Damit das Fahrrad eine Zukunft hat und der Alltagsradverkehr attraktiv und sicher ist, muss die Radverkehrsinfrastruktur entsprechend ausgestaltet werden. 

In Sachsen gibt es ca. 1.860 km straßenbegleitende Radwege an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen. Viele weitere Vorhaben sind in der Planung, im Genehmigungsverfahren oder im Bau. Damit bereits vollendete Projekte ihre volle Netzwirkung entwickeln können, haben Lückenschlussvorhaben höchste Priorität. 

Planung und Genehmigung straßenbegleitender Radwege gestalten sich aufgrund der geltenden gesetzlichen Bestimmungen sehr schwierig. Der Prozess ist identisch zur Planung einer Straße und durchläuft somit mehrere Planungs- und Beteiligungsstufen. Aspekte wie Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Flächeninanspruchnahme müssen umfangreich untersucht werden. Je nach Komplexität, Streckenlänge, örtlichen Verhältnissen sowie dem Einspruchsverhalten relevanter Beteiligter liegen zwischen Planungsbeginn und Baubeginn erfahrungsgemäß 8 bis 10 Jahre.

Der neue straßenbegleitende Geh- und Radweg zwischen Waldheim und Gebersbach ist 1,3 km lang und drei Meter breit. Seit Anfang Mai sind die Arbeiten im Gange. Zwei neue Stützwände mit Längen von 80 bzw. 93 Metern schaffen die notwendige Verkehrsraumbreite. Über den Gebersbach wird eine separate Geh- und Radwegbrücke errichtet. In diesem Zusammenhang erfolgt auch der Abbruch einer schadhaften Stützwand am Gebersbach und deren Neuerrichtung. Zur Vorbereitung der Baumaßnahme wurden bereits im Februar 2023 Baumfällarbeiten durchgeführt. Die Bauarbeiten finden überwiegend unter halbseitiger Verkehrsführung mit Ampelregelung statt. Im kommenden Jahr sind zeitweise auch Vollsperrungen notwendig. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 4,3 Millionen Euro. Die Baumaßnahme wird voraussichtlich Ende 2024 abgeschlossen sein. 

Verkehrsminister Martin Dulig: »Die für den Radverkehr zur Verfügung stehenden Finanzmittel sollen möglichst schnell und effizient zum Nutzen der Radfahrer eingesetzt werden. Insbesondere Lückenschlussprojekte sollen eine besondere Priorität erhalten. Verkehrsplanung bedeutet aber auch eine umfassende Abwägung aller Belange der Ver- und Entsorgung, der Natur und aller Schutzgüter. Das bedeutet, dass die Planung von Radwegen zeitlich und rechtlich ebenso umfassend und aufwändig ist wie die Planung einer Straße. Vom Planungsbeginn bis zum tatsächlichen Baubeginn vergehen in der Regel acht Jahre – Tendenz steigend.«

Im Jahr 2023 stehen für Planung und Bau von Radwegen an Bundes- und Staatsstraßen Mittel in Höhe von rund 16 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Mittel ermöglichen es, jährlich ca. 20 km straßenbegleitende Radwege zu bauen.

Projekt ALRad

Da die entsprechenden Haushaltsmittel den immensen Bedarf an Radverkehrsanlagen nicht annähernd decken können, sind innovative Lösungsansätze zwingend erforderlich. Um intelligente und schnell umsetzbare Lösungen für alltagstaugliche und sichere Radverkehrsführungen zu entwickeln, wurde Anfang 2021 auf Initiative des SMWA das Projekt ALRad ins Leben gerufen. Dessen Schwerpunkt liegt auf der Ertüchtigung des Nebennetzes (wenig befahrene Straßen und Wege) für den Radverkehr. Darüber hinaus sollen verkehrssichere Führungen des Radverkehrs im Mischverkehr mithilfe verkehrsorganisatorischer Maßnahmen erprobt werden. Besondere Beachtung erfahren auch hier Lückenschlussmaßnahmen. Die Einbindung und die aktive Mitwirkung der kommunalen Ebene sind Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes. Für 2023 ist bereits die Umsetzung von rund 20 Kilometern in den Landkreisen Nordsachsen, Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge geplant. Für die darauffolgenden Jahre wird von einer weiteren Forcierung des Umsetzungsvolumens ausgegangen. 

Kommunaler Radwegebau

Der Freistaat Sachsen baut nicht nur Radwege an Bundes- und Staatsstraßen – er unterstützt auch die Kommunen bei der Planung und beim Bau örtlicher Radverkehrsinfrastruktur mit attraktiven Förderkonditionen. Im aktuellen Doppelhaushalt 2023/2024 stehen hierfür insgesamt rund 48 Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung. Die zugrundeliegende neue Richtlinie Kommunaler Straßen- und Brückenbau (FRL KStB) wurde im April dieses Jahres vom Kabinett beschlossen. 

»90 Prozent des Radverkehrs findet in den Städten statt. Deshalb legen wir ein besonderes Augenmerk darauf, den Kommunen bestmögliche Rahmenbedingungen zu bieten. Mit einem Fördersatz von 85 Prozent unterstützt der Freistaat Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs – z.B. den Bau von Radwegen und Bike&Ride-Anlagen sowie Wegweisungs- und Markierungsprojekte. Neu ist die Förderung von Radverkehrskonzepten mit einem Fördersatz von 75 Prozent der Kosten«, so Dulig. 

In den Jahren 2021 und 2022 wurden in Sachsen mit den Finanzhilfen des Bundes aus dem Sonderprogramm »Stadt & Land« sowie mit Landesmitteln 63 Maßnahmen mit insgesamt rund 39 Millionen Euro gefördert. 

Zu den Vorhaben, die durch den Freistaat gefördert werden, gehört auch der Radweg zwischen Wüstenbrand in Hohenstein-Ernstthal und Küchwald in Chemnitz in Chemnitz entlang der ehemaligen 13,45 Kilometer langen stillgelegten Bahnstrecke. Die vorliegende Planung umfasst die Bauabschnitte 2 und 3 zwischen der Riedstraße und der Kalkstraße sowie zwischen der Kalkstraße und der Rudolf-Krahl-Straße. Mit bisher rund 8,6 Millionen Euro hat der Freistaat den Bau des Premiumradweges gefördert. Heute wird ein Teil dieses Radweges im Abschnitt Kalkstraße bis Riedstraße symbolisch freigegeben. 

Radschnellwege 

Radschnellwege können eine völlig neue Qualität für den Alltagsradverkehr schaffen.

Mit ihrer komfortablen Breite und der weitgehend direkten und kreuzungsfreien Führung aus dem Umland in die Innenstädte bieten Radschnellwege ein völlig neues Fahrgefühl. Der Freistaat treibt gemeinsam mit den Kommunen den Ausbau von Radschnellwegen voran. Das Ziel, insgesamt elf Korridore zu realisieren, ist ambitioniert. Im Rahmen von Voruntersuchungen sollen mögliche Trassen entsprechend den Förderkriterien des Bundesprogramms ermittelt werden. Für die meisten der geplanten Korridore haben die Untersuchungen für die Vorstudien bereits begonnen. Auch für den 14 Kilometer langen Radschnellweg Chemnitz – Limbach-Oberfrohna wird derzeit die Vorstudie erarbeitet. Am weitesten fortgeschritten sind der Abschnitt Leipzig – Schkeuditz als Teil des Radschnellwegs Halle-Leipzig und der Abschnitt Dresden – Langebrück als Teil des Radschnellwegkorridors Dresden-Neustadt – Radeberg. Für beide Abschnitte hat der Bund auf Basis der Voruntersuchungen grünes Licht gegeben und fördert die weiteren Planungsschritte.    

Eine Übersicht über den aktuellen Stand der Vorhaben gibt es online unter  www.radschnellwege.sachsen.de

Lastenradförderung

Mit der Förderung von Lastenrädern unterstützt der Freistaat seit 2021 konkret die umweltfreundliche Mobilität in Sachsen und gleichzeitig die Nutzung dieser flexiblen Verkehrsmittel insbesondere in den urbanen Räumen. Die Anschaffung eines Lastenfahrrades wird mit bis zu 500 Euro gefördert. Pro Lastenpedelec beträgt der Zuschuss bis zu 1.500 Euro. Antragsteller können jährlich bis zu fünf Lastenfahrräder oder Lastenpedelecs gefördert bekommen. Dafür stehen im laufenden Doppelhaushalt 700.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Antragsberechtigt sind Vereine, kleine und mittlere Unternehmen, Kommunen und Zweckverbände.

»Gerade in urbanen städtischen Bereichen besitzt das Lastenfahrrad als wendiges und umweltfreundliches Verkehrsmittel große Potenziale. Die Vorteile liegen auf der Hand: Im Vergleich zum Auto ist es in Anschaffung und Unterhalt viel kostengünstiger und dabei emissionsarm bzw. emissionslos«, so Minister Dulig. »Speziell auf der sogenannten letzten Meile im Lieferverkehr können Lastenfahrräder flexibel und effizient eingesetzt werden.«

Seit 2021 wurden rund 400 Förderanträge mit einem Gesamtvolumen von 724.000 Euro bewilligt. Dazu zählt auch Domino‹s Pizza in Chemnitz. Der Lieferdienst hat die Förderung in Anspruch genommen und zwei Lastenfahrräder angeschafft.  Für das laufende Jahr liegen aktuell 125 Anträge mit einem Volumen von 214.000 Euro vor. Antragsteller sind zumeist Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen. 

Fahrradwirtschaft in Sachsen

Der Freistaat Sachsen kann auf eine lange und traditionsreiche Fahrradkultur zurückblicken. Fakt ist: Die Wiege der deutschen Fahrradindustrie steht in Sachsen und hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Wirtschaftskraft entwickelt. Die Branche boomt. Sie bilden eine komplette Wertschöpfungskette von der Komponentenentwicklung bis zur Zweiradtouristik. Start-ups und Manufakturen geben der Branche mit neuen Fertigungsverfahren, Ideen, Materialien und Mobilitätskonzepten im Freistaat zusätzlichen Antrieb. 

»Der Fahrradverkehr hat längst nicht mehr nur umwelt- und verkehrspolitische Aspekte, sondern auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Dank qualitativ hochwertiger Produkte und eines hohen E-Bike-Anteils hat sich der Branchenumsatz mit Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht: von rund 2 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 7,36 Milliarden Euro im Jahr 2022. Der Marktanteil von E-Bikes liegt in Deutschland mittlerweile bei 48 Prozent. Im Freistaat erwirtschaften rund 10.000 Beschäftigte in mehr als 300 Unternehmen inklusive Handel und Dienstleistern einen Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Euro,« sagt Wirtschaftsminister Martin Dulig.

Als ältester noch aktiver Fahrradhersteller Deutschlands ist die Diamant Fahrradwerke GmbH ein Leuchtturm der Branche in Sachsen und mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro eine der größten Fahrradfabriken Deutschlands. Seit 1997 wird am Standort Hartmannsdorf produziert. Derzeit werden in zwei Schichten täglich zwischen 1.000 und 1.400 Fahrräder der Marken TREK, Diamant und Electra hergestellt. Das Werk beschäftigt rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter viele verschiedene Nationalitäten. Internationalität, Tradition und Teamgeist werden gelebt. 24 Auszubildende werden derzeit in den Berufen Zweiradmechatroniker, Fachkraft für Lagerlogistik und Industriekaufmann/-frau ausgebildet. 2023 wurde Diamant vom Great Place to Work Institut ausgezeichnet. Das Unternehmen gehört zu den TOP 100 Arbeitgebern Deutschlands und zu den besten Arbeitgebern im Bereich Fertigung & Industrie.

Darüber hinaus verfügt Sachsen über viele kleine Handwerksbetriebe, die teils sehr margenträchtige Fahrradkomponenten in Kleinstserien fertigen.

Die PI ROPE GmbH ist eine individuelle Speichen- und Laufradmanufaktur. Vom Garn zur Speiche und das ganz ohne Stahl – das ist die Basis der entsprechenden Laufradsätze. Statt aus Stahl werden bei der PI ROPE GmbH Speichen aus Vectran, einem hochfesten Polyester, im Charakter einer Manufaktur geflochten. Diese Speichen finden auf Grund ihrer vorteilhaften Eigenschaften die Berechtigung für den Einsatz in Form von kompletten Laufradsätzen sowohl in Mountainbikes, als auch in Gravel- und Rennrädern. Durch und mit den Laufrädern der PI ROPE GmbH konnten bereits viele Erfolge bei nationalen und internationalen Wettkämpfen erzielt werden. Die GmbH ist international tätig. Bei der Produktionsstätte in Chemnitz handelt es sich um eine alte Strickfabrik aus der ehemaligen DDR-Zeit. Heute wird hier nicht mehr gestrickt, sondern geflochten.


Velobrix by RWC Factory GmbH ist ein junges Handwerksunternehmen, das mit seinen Lösungen im Bereich Fahrradparken, Fahrradparksysteme sowie Buchungs- und Bezahlsoftware einen Beitrag zur Mobilitätswende leistet. 2018 gegründet, wurde 2021 die erste Anlage in Betrieb genommen. Das Portfolio umfasst Software, Hardware, Wartung und Service aus einer Hand. Durch den Einsatz von gebrauchten Schiffscontainern ist die Produktion nachhaltig. Zudem wurde das System platzoptimiert entwickelt – auf 16 m² Grundfläche finden 24 Fahrräder Platz. Die Aufstellung erfolgt ohne Tiefbau- und Fundamentarbeiten. Sächsische Kommunen, die das System bereits nutzen, sind unter anderem Chemnitz, Pirna, Königstein, Lichtenau, Amtsberg und Burkhardtsdorf. Darüber hinaus finden sich die Systeme des Unternehmens unter anderem auch in Bayern und Niedersachsen.

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