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Fahrrad statt Auto – Wie viel Radland steckt in Sachsen?

Fahrrad statt Auto – Wie viel Radland steckt in Sachsen?

Radfahren in Sachsen wird seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert. Die einen kritisieren rücksichtslose Radfahrer, die sich nicht an die Regeln halten. Die anderen argumentieren, dass Radfahrern das Leben schwer gemacht wird und im Freistaat zu wenig für sicheres Radfahren getan wird. In der neuen Folge »Martin Dulig | Konkret« diskutiert Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig mit Expertinnen und Experten die Frage, wie viel »Radland« in Sachsen steckt.

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Dabei ist die Renaissance des Fahrrads in Sachsen längst an allen Ecken und Enden zu spüren. Die Fahrradwirtschaft boomt und hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Wirtschaftskraft entwickelt. Nachholbedarf gibt es allerdings bei der Radverkehrsinfrastruktur. Mit der Radverkehrskonzeption gibt es seit 2014 einen strategischen Rahmen und Ziele. Die Planung und der Bau eines Radweges sind jedoch ebenso aufwändig wie die einer Straße.

In der neuen Folge »Martin Dulig | Konkret« diskutiert Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister mit Dr. Saskia Tietje, Präsidentin des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (LASuV), Marco Ladenthin, Leiter Bike+Ride-Offensive der DB Station und Service AG, Janine Häser, Referentin für Radtourismus des ADFC Sachsen und Mirko Schmidt, Geschäftsführer Diamant Fahrradwerke GMBH über die Zukunft des Fahrradland Sachsen.

Nicht erst in den letzten Jahren, ist das Fahrrad zunehmend in den Fokus einer zukunftsorientierten Mobilitätspolitik gerückt. Ein Wertewandel spiegelt sich in einem veränderten Mobilitätsverhalten wider, bei dem der Radverkehr eine zunehmende Rolle im Bereich der Nahmobilität und als Zubringer zu anderen Mobilitätsangeboten spielt. In Sachsen gibt es 1.860 km straßenbegleitende Radwege an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen (Stand 01/2023). Eine landesweite Radwegedatenbank mit Informationen zu den Radwegen des Freistaates und des Bundes wurde aufgebaut und wird kontinuierlich optimiert. Sie soll dazu beitragen, den strategischen Ausbau der Netze gezielt aufeinander abzustimmen, die Wegweisung zu verbessern und den Erhaltungsbedarf zu steuern.

Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig: »Das Fahrrad stand für mich schon in jungen Jahren für Freiheit und Unabhängigkeit. Heute kommt es mir als Verkehrs- und Wirtschaftsminister auch darauf an, wie viele Kilometer Radwege wir bauen und dass wir Unternehmen und Start-ups haben, die mit ihren Produkten dafür sorgen, dass die Branche wächst.«

Gerade beim Radwegebau sieht der Minister aber noch Nachholbedarf in Sachsen: »Zur Wahrheit gehört, dass die Aufbaujahre, also die Jahre, in denen auch die Infrastruktur ausgebaut wurde, vor allem aus der Windschutzscheibenperspektive gemacht wurden. Die Fuß- und Radwege sind nicht im gleichen Maße gewachsen wie das Straßennetz für den Autoverkehr.«

»Der Fahrradverkehr hat längst nicht mehr nur umwelt- und verkehrspolitische Aspekte, sondern auch eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Dank qualitativ hochwertiger Produkte und eines hohen E-Bike-Anteils hat sich der Branchenumsatz mit Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland in den letzten zehn Jahren fast vervierfacht: von rund 2 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 7,36 Milliarden Euro im Jahr 2022. Der Marktanteil von E-Bikes liegt in Deutschland mittlerweile bei 48 Prozent. Im Freistaat erwirtschaften rund 10.000 Beschäftigte in mehr als 300 Unternehmen inklusive Handel und Dienstleistern einen Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Euro«, so Wirtschaftsminister Martin Dulig.

Dr. Saskia Tietje, Präsidentin des LASuV, ergänzt: Der Radverkehr hat für uns eine herausragende Bedeutung. Wir wollen für eine attraktive und sichere Radverkehrsinfrastruktur sorgen. Bei unseren Straßenbauprojekten denken wir immer auch an den Radwegebau. Aktuell haben wir rund 320 km Radwege an Bundesstraßen in Planung oder im Bau und noch einmal etwa so viele an Staatsstraßen. Der Planungs- und Bauprozess für Radwege dauert aber letztlich genauso lange wie für eine Straße.«

Janine Häser, Referentin für Radtourismus beim ADFC Sachsen: »Der letzte Klimatest des ADFC hat ergeben, dass sich 75 Prozent der Radfahrer auf Sachsens Radwegen nicht sicher fühlen. Die Sicherheit muss also deutlich erhöht werden, zum Beispiel durch Temporeduzierung und Trennung der Verkehrswege. Auch viele Bike-and-Ride-Plätze wurden als stark verbesserungswürdig bewertet.«

Marco Ladenthin, Leiter der Bike+Ride-Offensive der DB Station und Service AG, stimmt zu: »Bahn und Fahrrad ergänzen sich gut. Beides sind nachhaltige Verkehrsmittel. Unser Ziel ist es, dafür gute Bedingungen an den Bahnhöfen zu schaffen. Für das Fahrradparken sind in Deutschland allerdings die Kommunen zuständig. In Sachsen sind diese erst spät auf uns zugekommen, um mit uns zusammenzuarbeiten. In den nächsten Jahren werden wir erste Ergebnisse sehen. Gleichzeitig lade ich gerne weitere Kommunen zur Zusammenarbeit ein.

Aber nicht nur das Thema Radwege stand im Mittelpunkt der Diskussion. Auch als Wirtschaftsfaktor spielt die Fahrradwirtschaft im Freistaat eine wichtige Rolle. Minister Martin Dulig: »Sachsen ist nicht nur Auto-, sondern auch Fahrradland. Mit dem Verein Cycling Saxony e. V. haben wir ein eigenes Branchennetzwerk mit vielen unterschiedlichen Akteuren vom Händler bis zur kleinen Manufaktur.«

Mirko Schmidt, Geschäftsführer Diamant Fahrradwerke GmbH: »Der Boom während der Corona-Krise war enorm. Die Menschen waren auf der Suche nach neuen Mobilitätslösungen. Wir hatten in den letzten Jahren zweistellige Wachstumsraten. Der Ukraine-Krieg und die hohe Inflation haben das vorerst gestoppt – nicht zuletzt, weil die Lieferketten unterbrochen wurden. Bis 2030 will die Europäische Union den Radverkehr verdoppeln. Unsere Branche hat also noch viel Potenzial. Doch dafür brauchen wir die richtige Infrastruktur. Denn unsere Studie zeigt: Die Fahrradbranche kann von einer guten Infrastruktur profitieren.«

»Martin Dulig | Konkret« – Im Podcast

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