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#ZUKUNFTblog

Circular Saxony – Mit Kreislaufwirtschaft ans Ziel

Circular Saxony – Mit Kreislaufwirtschaft ans Ziel

Vor rund einem Jahr, im Juli 2023, hat Wirtschaftsminister Martin Dulig dem Branchennetzwerk »Circular Saxony« als einem erfolgreichen Antragsteller im Förderaufruf »Innovationscluster« einen Fördermittelbescheid des Freistaates Sachsen über bis zu 1,48 Mio. Euro übergeben. 

Im #ZUKUNFTblog berichten Susanne Kroll, Clusterkoordinatorin des Projektträgers Circular MTC e.V., und Anne Geißler vom Partnerverein Energy Saxony e.V. über ihre Ziele und Projekte zur Stärkung der sächsischen Kreislaufwirtschaft und die Netzwerkarbeit.

ZUKUNFTblog: Welche Ziele hat das Netzwerk Circular Saxony? Welche Projekte wollen Sie umsetzen?

Susanne Kroll: Unser Innovationsnetzwerk bietet den beteiligten Unternehmen Wissensaustausch, Kooperation, Belebung von Innovationen, Marktzugang und politischen Einfluss. Circular Saxony will die sächsischen Unternehmen bei der Transformation zur Kreislaufwirtschaft unterstützen, damit sie die Chancen bestmöglich nutzen, die sich durch nachhaltiges Wirtschaften eröffnen. Konkret bedeutet das, dass wir individuell schauen, was das jeweilige Unternehmen benötigt. Das beginnt bei der gemeinsamen Ideenfindung und der Beantragung von Förderprojekten, wenn ein Unternehmen noch am Anfang steht – und geht bis zur Unterstützung bei Marketing und Vernetzung, wenn Lösungen und Produkte auf den Markt gebracht werden sollen.

Gemeinsam wollen wir die Potenziale der Kreislaufwirtschaft heben, um Ressourcen zu schonen und regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen. Es sollen neue innovative Geschäftsmodelle und Unternehmen in Sachsen entstehen. 

Staatsminister Martin Dulig bei der Übergabe des Fördermittelbescheides

ZUKUNFTblog: Circular Saxony vernetzt Akteure und Akteurinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Themenfeld Kreislaufwirtschaft. Wer sind Ihre Mitglieder und Partner und wo liegen deren Kompetenzen?

Anne Geißler: Unsere Mitglieder und Kooperationspartner sind so divers und vielschichtig wie die Kreislaufwirtschaft. Da die Kreislaufwirtschaft als Wirtschaftskonzept eine Transformation aller Branchen erfordert, aber auch unser tägliches Leben und Handeln verändern wird, sollen sich auch alle Branchen von Circular Saxony angesprochen fühlen. Unsere Mitglieder repräsentieren die Spitzenforschung der Kreislaufwirtschaft, das produzierende Gewerbe, innovative Vorreiterinnen und Vorreiter, deren Geschäftsmodelle jetzt schon einen positiven Beitrag für die Kreislaufwirtschaft in Sachsen leisten, aber auch Großunternehmen und energieintensive Industrien, die eine nachhaltige Transformation anstreben. Hier ist die Kreislaufwirtschaft auch relevant, weil sie signifikante Energie- und Emissionseinsparungen ermöglichen kann. So tragen die Akteure unseres Netzwerkes auch zur Dekarbonisierung unserer Wirtschaft bei: Jede zusätzliche oder verlängerte Nutzungskaskade eines Produkts oder Stoffs kann CO2 einsparen bzw. den CO2-Ausstoß verringern.

ZUKUNFTblog: Was ist das Besondere an Circular Saxony?

Susanne Kroll: Wir wollen alle Akteure und Akteurinnen der sächsischen Kreislaufwirtschaft, also die gesamte Wertschöpfungskette, in Sachsen vernetzen und das auch national und international sichtbar machen. Das schließt andere Netzwerke und Initiativen ein, die bereits für die Kreislaufwirtschaft aktiv sind und selbst wichtige Kompetenzen bündeln und repräsentieren. Für uns ist daher ein kooperativer Ansatz wichtig. Dafür schaffen wir regelmäßig den Raum in Form von themenspezifischen Arbeitskreistreffen und Ideenworkshops oder auch bei unserer Jahresveranstaltung. Sie wird erstmalig am 21. September 2023 in Chemnitz stattfinden. Wir laden alle, die Best-Practice Erfahrungen oder neue Ideen teilen wollen, dazu ein, diese »zu pitchen«, um passende Projektpartner zu finden und Möglichkeiten für Synergien zu nutzen. 

ZUKUNFTblog: Sie bieten die Teilnahme an Arbeitskreisen an. Welche Themenschwerpunkte haben Sie dort? 

Susanne Kroll: Die aktuellen Themenschwerpunkte der Arbeitskreise orientieren sich an den verschiedenen relevanten Stoffströmen, wie zum Beispiel Kunststoffe, Faser-Kunststoff-Verbunde, Textilien, smarte Strukturen, aber auch an Sektoren wie dem Bausektor oder der Bioökonomie. Wichtige Querschnittsthemen sind zirkuläre Geschäftsmodelle oder die Digitalisierung. Hier sehen wir das größte Innovationspotenzial sowohl technisch, organisatorisch als auch sozial für die Kreislaufwirtschaft. 

Staatssekretär Thomas Kralinksi besucht den Stand des »Circular Saxony« beim Offenen Regierungsviertel in Dresden

ZUKUNFTblog: Der Bund und Sachsen arbeiten aktuell an eigenen Kreislaufwirtschaftsstrategien. Was wünschen Sie sich dafür? 

Anne Geißler: Die Politik sollte klar kommunizieren, dass eine Energiewende eine Ressourcenwende voraussetzt. Auch wird – bisher zu stark – die Kreislaufwirtschaft mit einer Recyclingwirtschaft gleichgesetzt. Kreislaufwirtschaft setzt aber viel früher in der Kette an – zum Beispiel bei der Entscheidung zwischen »Produktkauf« oder »Produktnutzung oder Sharing«, beim Produktdesign, bei Mehrweglösungen, Reparatur und vielem mehr. Wenn es gelingt, in der nationalen und sächsischen Kreislaufwirtschaftsstrategie die Wichtigkeit und Möglichkeiten der Abfallvermeidung herauszuarbeiten, verbindliche und messbare Ziele zu setzen, dann wäre das schon ein Gewinn für die Kreislaufwirtschaft. Zudem sind Ansätze, die noch vor einem Recycling ansetzen, bisher wenig erforscht oder sichtbar oder sie treffen auf technische oder regulatorische Hürden. Das spiegelt sich auch in der Förderlandschaft wider. Die Förderung der Reparatur von Produkten ist allerdings erst der Anfang. Auch das Thema Schul-, Aus- und Weiterbildung im Bereich der Kreislaufwirtschaft ist zunehmend wichtig, was die Strategien bereits mitdenken sollten. Hier kann zukünftig das Netzwerk Circular Saxony eine wichtige Rolle einnehmen, die Bedarfe und das Wissen erfassen und an Bildungskonzepte mitwirken. 

ZUKUNFTblog: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre weitere Netzwerkarbeit! 

Innovationscluster in Sachsen 

Das Förderprogramm Cluster startete im Juli 2017. Die Förderung unterstützt den Aufbau und Ausbau strategischer Kooperationen zwischen sächsischen Unternehmen sowie zwischen Unternehmen und Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Technologie-, Gründer- und Innovationszentren, Kammern und Verbänden. Ziel ist es, dass sächsische kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Unternehmensgründer ihre Kooperations- und Leistungsfähigkeit ausbauen und dadurch ihre Markt- und Innovationspotenziale noch besser ausschöpfen. Darüber hinaus sollen die auf zentralen Zukunftsmärkten vorhandenen Entwicklungspotenziale für die sächsische Wirtschaft erschlossen und die Stärken der sächsischen Wirtschaft international sichtbarer werden.

Ein Baustein des Programms sind Innovationscluster, die über einen Förderaufruf ausgewählt werden. Gefragt sind hier jeweils anspruchsvolle, innovative und branchenübergreifende Zukunftsideen, die von Unternehmen, Wissenschaftlern und weiteren Akteuren gemeinsam in einem Innovationscluster umgesetzt werden. Der Freistaat unterstützt die ausgewählten Netzwerke mit jeweils bis zu fünf Millionen Euro, die in einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren eingesetzt werden können. 

Bisher wurden zwei Förderaufrufe durchgeführt. Zu den Clustern, die aus der ersten Wettbewerbsrunde hervorgegangen sind, zählen »Wasserstoffland Sachsen« (damals »HZwo – Antrieb für Sachsen«), »SET4FUTURE« (Schienenverkehr) und die Verwertungsoffensive »Smart Medical Devices and Therapies« (intelligente Medizinprodukte). Aus der zweiten Wettbewerbsrunde ist außerdem das Branchennetzwerk »C³ Saxony« (Leichtbau mit Carbonbeton) hervorgegangen. 


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