Das Bund-Länder-Programm GRW mit seinen Teilprogrammen GRW-Infra und GRW-RIGA ist das wichtigste Instrument der Wirtschafts- und Strukturpolitik in Sachsen. Das sächsische Kabinett hat am 19. Mai 2026 beschlossen, die beiden GRW-Richtlinien neu zu fassen. Die Förderung für die kommunale wirtschaftsnahe Infrastruktur (Infra) und die einzelgewerbliche Wirtschaft (RIGA) wird deutlich an den bundeseinheitlichen Koordinierungsrahmen angepasst und insgesamt vereinfacht. Damit setzt Sachsen ein zentrales Vorhaben aus dem Ende März von Wirtschaftsminister Dirk Panter vorgestellten Zukunftspaket I um.
Der so genannte GRW-Koordinierungsrahmen wurde auf Bund-Länder-Ebene zum 1. Januar 2026 neu aufgestellt. Die Vereinfachungen des Bundes hat Sachsen zum Anlass genommen, die sächsische GRW (Gemeinschaftsaufgabe »Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur«) ebenfalls zu verschlanken und den Fördervollzug zu vereinfachen.
»Wir halten Wort und arbeiten zügig an der weiteren positiven Entwicklung von Wirtschaft und Arbeit im Freistaat. Am Prozess der Neuaufstellung der GRW-Richtlinien haben Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam und konstruktiv mitgearbeitet, dafür danke ich ihnen herzlich.«
Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz
Richtlinie GRW-RIGA
- Es entfallen sächsische Branchenausschlüsse (z. B. Großhandel und bestimmte Dienstleistungsbranchen) sowie zusätzliche qualitative Anforderungen an Tourismusvorhaben (z. B. Nachweis von Klassifizierungen und Zertifizierungen). An deren Stelle tritt eine Mindestübernachtungskapazität für alle Beherbergungsarten von 15 Betten.
- Verzichtet wird auch auf spezielle sächsische ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien. Diese Kriterien bei jeglichen Vorhaben mitzudenken, hat sich auch ohne die Lenkung über Zuwendungsvoraussetzungen – insbesondere aus Wettbewerbsgesichtspunkten – etabliert.
- In den Grenzregionen zu Tschechien und Polen wird der sogenannte Grenzbonus wieder eingeführt, jedoch an die bestehende Tarifbindung der Unternehmen gekoppelt.
- Für Großunternehmen, deren Fördermöglichkeiten durch EU-Beihilfevorgaben eingeschränkt sind, soll die Förderung von Investitionen in saubere Netto-Null-Technologien ermöglicht werden.
Richtlinie GRW-Infra
- Diese Richtlinie legt den Schwerpunkt auf die Erschließung von Gewerbegebieten einschließlich der Revitalisierung von Altstandorten durch Kommunen. In einem Modellprojekt unterstützt der Freistaat bis Ende 2028 entsprechende Vorhaben zu vereinfachten Bedingungen. Bis zu 90 Prozent der Erschließungskosten können gefördert werden. In diesem Rahmen können auch Grunderwerbskosten, die die Finanzkraft der Kommunen oft übersteigen, gefördert werden (anteilig bis zu 25 Prozent der Gesamtkosten der Erschließungsmaßnahme).
- Die Fördersätze für die Investitionsförderung werden in allen sächsischen Landkreisen und der Stadt Chemnitz auf bis zu 85 Prozent angehoben. In den Großstädten Dresden und Leipzig, die eine überdurchschnittliche Wirtschaftskraft aufweisen, gilt weiter der Grundfördersatz von 60 Prozent.
- Die nichtinvestive Förderung für die Erstellung und Umsetzung von regionalen Entwicklungskonzepten wurde an die bundesweite Regelung angepasst und gestrafft. Förderfähig ist die Umsetzung regionaler Entwicklungskonzepte auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte über ein eigenes Budget.
Dazu sagt Wirtschaftsminister Dirk Panter: »Wir haben das GRW-Programm deutlich entschlackt. Damit steigern wir die Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft, sichern Arbeitsplätze und schaffen gezielte Anreize für neue Investitionen. Das Goldplating bei der GRW ist in Sachsen quasi abgeschafft. Wir verzichten auf zusätzliche sächsische Sonderregeln und halten die neuen Richtlinien der GRW-RIGA und GRW-Infra im Bundesvergleich besonders schlank.«
Die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft e. V. (VSW) begrüßt die Novellierung der GRW-Investitionsförderung. Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner erklärt: »Ich danke Staatsminister Dirk Panter für seinen Einsatz, die GRW RIGA zu entschlacken. Gerade in einer Phase schwacher Konjunktur, zurückhaltender Investitionen, steigender Arbeitskosten und hoher bürokratischer Belastungen braucht Sachsen eine praxistaugliche Investitionsförderung.« Dass sich die Förderrichtlinie wieder stärker am Koordinierungsrahmen des Bundes orientiert, sei daher ausdrücklich zu begrüßen. Der Abbau sächsischer Sonderregeln, zusätzlicher Nachhaltigkeitskriterien und Branchenausschlüsse sei überfällig. »Diese Hürden«, so Brückner, »haben Investitionen gebremst, ohne erkennbaren Nutzen zu bringen.«
Online‑Workshop der SAB zum Programm GRW-RIGA
Das Programm unterstützt Investitionen etwa in Maschinen, Anlagen oder Betriebsstätten und soll Wachstum, Innovationen und neue Arbeitsplätze in strukturschwächeren Regionen ermöglichen. Um Unternehmen, Gründerinnen und Gründer sowie wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen gezielt zu unterstützen, informiert die Sächsische Aufbaubank (SAB) in dem kostenfreien Webinar »GRW-RIGA neu gefasst: Mehr Klarheit, mehr Förderung, weniger Aufwand« über alle Änderungen und deren praktische Auswirkungen.
Das SAB-Expertenteam erklärt Schritt für Schritt:
- welche Programmänderungen jetzt gelten,
- wie sich die neuen Förderquoten konkret auswirken,
- worauf es bei Arbeitsplätzen und Nachhaltigkeit ankommt und
- wie der Weg vom Investitionsvorhaben zum Antrag effizient gestaltet werden kann.
Datum: Donnerstag, 28. Mai 2026
Zeit: 14 bis 15 Uhr
Anmeldung: online über www.sab.sachsen.de/veranstaltungen
Praxisbeispiel: Additive Drives zeigt, wie Förderung wirkt
Wie die Investitionsförderung in der Praxis wirkt, zeigt das Beispiel des E-Motorenentwicklers Additive Drives. Mit Unterstützung durch die SAB und das GRW-RIGA-Programm des SMWA konnte das Dresdner Unternehmen:
- eine hochmoderne Infrastruktur aufbauen,
- effiziente und vielseitig einsetzbare Elektromotoren produzieren,
- 45 Arbeitsplätze im Hochtechnologiesektor schaffen und
- regional wachsen – ohne auf ausländische Investoren angewiesen zu sein.
Additive Drives steht damit exemplarisch für innovative Unternehmen in Sachsen, die mit Hilfe der GRW-Investitionsförderung ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern, zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung in der Region halten.
Die vollständige Kundenstory finden Interessierte unter: www.sab.sachsen.de/kundenstories
