Hauptinhalt

#ZUKUNFTblog

Von der »152« zur »D328eco«: Flugzeugbau kehrt nach Sachsen zurück

Von der »152« zur »D328eco«: Flugzeugbau kehrt nach Sachsen zurück

Der Flugzeughersteller Deutsche Aircraft hat am Flughafen Leipzig/Halle mit rund 400 Gästen seine neue Endmontagelinie (»Final Assembly Line«, FAL) offiziell eröffnet. Leipzig wird damit zum Produktionsstandort für das 40-sitzige Turboprop-Regionalflugzeug D328eco. Die Kapazität ist auf bis zu 48 Flugzeuge pro Jahr ausgelegt; rund 250 direkte Arbeitsplätze sollen mit dem Produktionshochlauf entstehen. Damit kehrt nach mehr als sechs Jahrzehnten der Bau kompletter Flugzeuge nach Sachsen zurück.

Was ist das D328eco-Programm?

Die D328eco ist ein umweltfreundliches Regional- und Kurzstrecken-Passagierflugzeug mit Turboprop-Antrieb des Herstellers Deutsche Aircraft. Das Flugzeug basiert auf der früheren, bekannten Dornier 328. Die Inbetriebnahme der FAL markiert einen entscheidenden Meilenstein für das D328eco-Programm und ein neues Kapitel für die deutsche Luftfahrt. Mit dem Übergang von der Entwicklung in die Produktion wird Leipzig zum Produktionsstandort der nächsten Generation deutscher Regionalflugzeuge. »Erstmals seit mehr als sechs Jahrzehnten werden damit wieder entscheidende Luftfahrtkompetenzen entlang des gesamten Flugzeuglebenszyklus in einem deutschen Flugzeugprogramm zusammengeführt«, betont Nico Neumann, Chief Executive Officer (CEO) bei Deutsche Aircraft.

Auf einer Fläche von acht Fußballfeldern (60.500 Quadratmeter) umfasst der Standort die Endmontagelinie, einen Flugbereitschaftshangar (»Flight Readiness Hangar«), ein Logistikzentrum und ein Verwaltungsgebäude. Das Unternehmen investierte mehr als 100 Millionen Euro in das Vorhaben. Der Freistaat Sachsen förderte die Investition mit rund 3,2 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm GRW (Gemeinschaftsaufgabe »Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur«).

»Ein starkes industriepolitisches Signal!«

Wirtschaftsminister Dirk Panter

Gemeinsam bilden die Unternehmensstandorte Oberpfaffenhofen (Bayern) und Leipzig eine integrierte Entwicklungs- und Produktionslandschaft. Während Oberpfaffenhofen die Heimat von Entwicklung, Flugerprobung und Zertifizierung bleibt, übernimmt Leipzig künftig die Endmontage, Flight-Readiness-Aktivitäten und die Auslieferung von Flugzeugen an Kunden weltweit. Das Projekt eröffnet Perspektiven für Fertigungsspezialistinnen und Fertigungsspezialisten, Auszubildende, Technikerinnen und Techniker und Ingenieurinnen und Ingenieure.

Die Zahlen hinter der D328eco


Quelle: Deutsche Aircraft

Welche Bedeutung hat das Vorhaben für den Industriestandort Sachsen?

Minister Panter im Cockpit der D328eco. (Bildrechte: SMWA)

Wirtschaftsminister Dirk Panter dankte der Deutschen Aircraft, der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, der Mitteldeutschen Flughafen AG und allen Projektpartnern für die gute Zusammenarbeit. »Es macht uns stolz, dass Leipzig der Standort für die Endmontage kompletter Flugzeuge ist. Das ist nicht nur ein Vertrauensbeweis in den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern auch ein starkes Zeichen für den traditionsreichen Luftfahrtstandort Sachsen, wo bereits in den 1950er-Jahren eine eigene Flugzeugfertigung aufgebaut worden ist. Dieses über Jahrzehnte gewachsene Know-how und das dichte Netzwerk an Akteuren aus der Luft- und Raumfahrtindustrie machen den Freistaat zur perfekten Startbahn für die Flugzeugproduktion der Deutsche Aircraft«, so Panter.

Das Vorhaben festigt die Luft- und Raumfahrtkompetenzen im Freistaat und ergänzt die bestehenden Stärken bei Flugzeugumrüstung, Komponenten, Leichtbau, Mikroelektronik, Sensorik und Forschung um die Endmontage eines vollständigen Flugzeugs. Die Endmontagelinie stärkt außerdem die wirtschaftliche und technologische Resilienz. Sie verankert zusätzliche industrielle Fähigkeiten in Deutschland, verbreitert die Wertschöpfungsbasis in Sachsen und schafft Anknüpfungspunkte für Zulieferer, Forschung und Fachkräfte.

Dirk Panter: »Die Eröffnung der Endmontagelinie in Leipzig setzt ein starkes industriepolitisches Signal. Das Unternehmen schafft neue industrielle Wertschöpfung und eröffnet qualifizierten Fachkräften zusätzliche Perspektiven in einer Region, in der andere Industriezweige derzeit tiefgreifende Veränderungen bewältigen. Die Ansiedlung der Deutschen Aircraft zeigt, dass Sachsen diesen Wandel der Wirtschaft nicht nur verwaltet, sondern mit neuen, zukunftsfähigen Geschäftsfeldern und Produkten, neuen Investitionen und neuen Arbeitsplätzen gestaltet.«

Luft- und Raumfahrtindustrie in Sachsen

Rund 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit insgesamt mehr als 7.000 Beschäftigten erwirtschaften am Luftfahrt- und Raumfahrtstandort Sachsen jährlich einen Umsatz von etwa 1,4 Milliarden Euro. Das Cluster Kompetenzzentrum Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen e.V. bündelt die Expertise der Branche.

Sachsen kann auf eine lange Tradition in der Luftfahrtindustrie zurückblicken. Bereits in den 1950er-Jahren entwickelten sächsische Ingenieure mit der »152« das erste deutsche Passagierflugzeug mit Strahlantrieb. Es startete am 4. Dezember 1958 zum Erstflug über Dresden und Umgebung. Beim zweiten Flug ein Jahr später stürzt der Prototyp ab; die Besatzung kam ums Leben. Aufgrund der enormen Kosten, der überschaubaren Einsatzmöglichkeiten im Inland und der fehlenden Absatzmärkte im ost- wie westeuropäischen Ausland, wo eigene Luftfahrtprojekte forciert worden sind, stellte die DDR ihren Flugzeugbau wieder ein. Die Flughafen Dresden GmbH bietet auf Anfrage Führungen durch den letzten erhaltenen Rumpf der Flugzeuglegende »152« an.

Aus der Dresdner Luftfahrtindustrie von einst sind die Elbe Flugzeugwerke (EFW) hervorgegangen, die mit der Umrüstung von Passagier- in Frachtmaschinen, der Flugzeugwartung und der Herstellung von Leichtbaukomponenten ein internationaler Player der Luftfahrtbranche sind. Am 28. September 2026 haben die EFW mit der Bundeswehr einen Vertrag zur Instandhaltung von NH90-Hubschraubern unterzeichnet. Der vertragliche Leistungsumfang umfasst unter anderem regelmäßige Inspektionen, mögliche Modifikationen sowie potenzielle Komponenten-Reparaturen.

zurück zum Seitenanfang