Der Wirtschaftsstandort Oberlausitz war am 18. September das Ziel von Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter. Zunächst traf er sich mit Vertreterinnern und Vertretern des regionalen Handwerks und Mittelstands in Weißwasser/O.L. Am Nachmittag startete im Beisein des Ministers ein Ausbauvorhaben des Fallschirmspezialisten Spekon in Seifhennersdorf.
SPIEGEL ART Steffen Noack GmbH & Co. KG. (Weißwasser)
Anlässlich eines Austausches mit etwa 15 mittelständischen Unternehmen und Weißwassers Oberbürgermeisterin Katja Dietrich besichtigte Dirk Panter den gastgebenden Handwerksbetrieb SPIEGEL ART. Seit 1992 fertigt das Unternehmen hochwertige Glasprodukte, die Design und Funktion verbinden. Geschäftsführer Steffen Noack und Gesellschafter Christian Noack zeigten dem Minister das Portfolio, zu dem u.a. Glastüren, Duschkabinen und Glasgeländer gehören. Darüber hinaus rekonstruiert bzw. restauriert SPIEGEL ART historische Spiegel.
Die Glasstadt Weißwasser kann eine über 150-jährige Tradition in der Glasherstellung vorweisen. Im Jahr 1873 wurde der erste Glasofen angeheizt. Im frühen 20. Jahrhundert galt die Stadt als weltgrößtes Zentrum der Glasindustrie.

Im lebhaften Austausch mit lokalen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Vertretern der Handwerkskammer Dresden, der Wirtschaftsförderung Sachsen und des Landkreises Görlitz standen zentrale Zukunftsfragen der Unternehmen im Mittelpunkt:
- Verlässliche Rahmenbedingungen: Der Mittelstand in der Lausitz fordert stabile politische Vorgaben und vor allem international wettbewerbsfähige Energiepreise.
- Besteuerung, Nachfolge und Gründung: Eine angedachte Anhebung der Erbschaftsteuer könne familiengeführte Betriebe in existenzielle Schwierigkeiten bringen. Stattdessen brauche es gezielte Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge sowie starke Gründungsanreize.
Staatsminister Panter brachte drei Themen für die Region ein: mehr greifbare Anreize zur Ansiedlung im Net Zero Valley, mehr Unterstützung für die Nachnutzung der Industrieflächen der LEAG und der hohe Unterrichtsausfall in den Schulen, welcher die Betriebe doppelt belastet: Er zwingt Eltern zu Arbeitszeitreduktionen in der Kinderbetreuung und gefährdet die Qualifikation der Fachkräfte von morgen.
Panter signalisierte in der Diskussion Verständnis für die zugespitzte Situation in der Oberlausitz und sicherte zu, die Impulse in die laufende Regierungsarbeit einfließen zu lassen. Wichtig seien ihm alle Betriebe in Sachsen, ganz besonders jedoch die regional verwurzelten Akteure – vom klassischen Handwerk über die Industrie bis hin zu Start-ups.
Bericht der Stadt Weißwasser / O.L. zum Ministerbesuch:
Strukturwandel und Handwerk im Fokus: Staatsminister Dirk Panter besucht den Wirtschaftsstandort Weißwasser/O.L.
Spekon Sächsische Spezialkonfektion GmbH (Seifhennersdorf)
Das Textilunternehmen Spekon gehört zu den weltweit führenden Herstellern moderner Fallschirmsysteme. Da die Fertigung an ihre räumlichen Grenzen stößt, modernisiert und vergrößert Spekon bis Ende 2027 seine Produktionsflächen. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 8,3 Millionen Euro, wovon der Freistaat 2,8 Millionen Euro übernimmt. Die Fördermittel stammen aus dem Bund-Länder-Programm GRW-RIGA (Gemeinschaftsaufgabe »Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur«).

Das 1842 gegründete Unternehmen hat sich auf Militär-, Rettungs- und Sportfallschirmtechnik, Luftfahrttextilien (z. B. Sicherungsnetze, Anschnallgurte), temporäre Bauten (z. B. Zeltsysteme) und technische Textilien (z. B. Prospekt-/Zeitungshalter in Flugzeugen, Bahnen und Bussen) spezialisiert. Spekon exportiert seine Produkte in mehr als 30 Länder. Zu den Kunden zählen u.a. öffentliche Auftraggeber, Luftfahrt- und Rüstungsfirmen sowie Verbände, Vereine und Privatkunden aus dem Fallschirm-, Segelflug- und Motorflugsport.
Spekon geht für die kommenden Jahre von einem hohen Wachstumspotenzial, vor allem im Bereich der militärischen Fallschirme, aus. Minister Panter hatte den mittelständischen Global Player bereits im Herbst 2025 anlässlich seines Thementages »Sicherheits- und Verteidigungsindustrie« besucht. »Mich beeindruckt, wie Spekon Hightech mit Handarbeit verknüpft. Für zahlreiche Arbeitsschritte bedarf es präziser Fingerfertigkeit – Tradition verbindet sich mit Innovation«, so Dirk Panter. »Unsere GRW-Förderung trägt nun dazu bei, dass die Produktionskapazitäten mit der Nachfrage Schritt halten können. Zugleich verbessert sich das Arbeitsumfeld für die Beschäftigten. Das unterstützen wir gern.«
Mit dem Ausbauvorhaben sollen über 40 Arbeitsplätze und zwei Ausbildungsplätze gesichert und ein zusätzlicher Arbeitsplatz geschaffen werden. Geschäftsführer Serdar Kaya ergänzt: »Wir freuen uns sehr darüber, dass das Land Sachsen uns bei diesem Vorhaben unterstützt. Wir hoffen, damit auch weiterhin international mitwirken und für den sächsischen Mittelstand eine Vorbildfunktion übernehmen zu können.«
Das Bund-Länder-Programm GRW mit seinen Teilprogrammen GRW-Infra und GRW-RIGA ist das wichtigste Instrument der Wirtschafts- und Strukturpolitik in Sachsen. Das sächsische Kabinett hat am 19. Mai 2026 beschlossen, die beiden GRW-Richtlinien neu zu fassen. Damit setzte Sachsen ein zentrales Vorhaben aus dem Ende März von Wirtschaftsminister Dirk Panter vorgestellten Zukunftspaket I um. Die Förderung für die kommunale wirtschaftsnahe Infrastruktur (Infra) und die einzelgewerbliche Wirtschaft (RIGA) wurde deutlich vereinfacht.
