Mit der »Smart Power Fab« setzt Infineon in Dresden ein industriepolitisches Signal weit über Sachsen hinaus: Die modernste Chipfabrik des Konzerns wird in Betrieb genommen und damit eine der fortschrittlichsten Fertigungen weltweit. Rund fünf Milliarden Euro hat der Konzern investiert, es ist die größte Einzelinvestition seiner Geschichte. Mit einer Milliarde Euro Förderung hat der Bund einen großen Anteil daran.
Auch wenn die Förderung kontrovers diskutiert wird: Moderne Chipfabriken gehören zu den teuersten Industrieanlagen der Welt. Die Halbleiterindustrie ist dabei weit mehr als ein einzelner Industriezweig. Deshalb investieren die USA, Taiwan, Japan, Südkorea und China seit Jahren mit großer Entschlossenheit in ihre Mikroelektronik – aus klarem strategischem Eigeninteresse. Denn ohne eigene Halbleiterindustrie wird man bei einer der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts schnell abhängig von anderen. Das liegt daran, dass Halbleiter kritische Infrastruktur sind. Ohne sie laufen weder Künstliche Intelligenz noch Rechenzentren, Kommunikationsnetze, Satelliten, moderne Verteidigungssysteme oder industrielle Automatisierung.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter bringt es auf den Punkt: »Was hier entstanden ist, ist mehr als ein weiteres Werk. Es ist ein zentraler Baustein für Europas technologische Souveränität. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – unterbrochene Lieferketten, Chipengpässe, geopolitische Abhängigkeiten – haben gezeigt, wie entscheidend eine eigene leistungsfähige Halbleiterproduktion ist. Die neue Fabrik ist damit auch ein konkretes Ergebnis des European Chips Act. So stärken wir die Versorgungssicherheit und technologische Souveränität in Europa.«
Dresden liefert Zukunftstechnologie
Die »Smart Power Fab« steht für eine neue Generation der Chipfertigung: hochautomatisiert, besonders flexibel und technologisch führend. Erstmals können hier unterschiedliche Chiptypen auf einer Linie produziert werden – von Leistungshalbleitern für Energieanwendungen bis zu komplexen Mixed-Signal-Chips für die digitale Steuerung.
Diese Bauteile sind Schlüsseltechnologien für zentrale Zukunftsfelder:
- Elektromobilität
- Erneuerbare Energien und Stromnetze
- Industrieautomation
- Künstliche Intelligenz und Rechenzentren
Hinzu kommt der Einsatz neuer Materialien wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid. Sie ermöglichen höhere Effizienz, geringere Energieverluste und leistungsfähigere Systeme – etwa in Schnellladeinfrastruktur, Windkraftanlagen oder Hochgeschwindigkeitszügen. Dresden wird damit zu einem Ort, an dem die industrielle Transformation konkret Gestalt annimmt.
Silicon Saxony als Wachstumsmotor
Die neue Fabrik ist kein isoliertes Projekt. Sie ist Teil eines gewachsenen Ökosystems, das Sachsen seit den 1990er Jahren systematisch aufgebaut hat. Heute ist »Silicon Saxony« das größte Mikroelektronik-Cluster Europas – mit globaler Sichtbarkeit. Was diesen Standort besonders macht, ist das enge Zusammenspiel von:
- international tätigen Unternehmen wie Infineon, GlobalFoundries Bosch und künftig auch ESMC
- leistungsfähigen mittelständischen Zulieferern
- exzellenter Forschung, z.B. an der TU Dresden, Fraunhofer- und Leibniz-Instituten
- einer spezialisierten Fachkräftebasis
Diese Vernetzung sorgt dafür, dass Innovationen schneller entstehen können und in die Anwendung gelangen. Neue Technologien werden nicht nur entwickelt, sondern direkt in industrielle Produktion überführt.
Die Wirkung reicht weit über Dresden hinaus
Die wirtschaftlichen Effekte der neuen Fabrik strahlen auf den gesamten Freistaat aus. Studien und Branchenerfahrungen zeigen: Jeder Arbeitsplatz in der Halbleiterfertigung zieht ein Vielfaches an Beschäftigung im Umfeld nach sich – etwa bei Zulieferern, Dienstleistern oder in der Forschung.
Für die rund 1.000 neuen Jobs bei Infineon bedeutet das:
- mehrere tausend zusätzliche Arbeitsplätze im Umfeld
- steigende Nachfrage nach Fachkräften in ganz Sachsen
- neue Chancen für kleine und mittlere Unternehmen
Damit ist die Mikroelektronik zunehmend zu einer industriellen »Lokomotive« geworden: Sie zieht andere Branchen mit – vom Maschinenbau über die Energietechnik bis zur Softwareentwicklung. Oder anders gesagt: Was in Dresden produziert wird, schafft Wertschöpfung in Chemnitz, Freiberg, Görlitz und weit darüber hinaus.


Innovation braucht Tempo
So beeindruckend die Entwicklung ist, sie bleibt kein Selbstläufer. Der internationale Wettbewerb ist intensiv – insbesondere mit den USA und Asien. Umso wichtiger sind verlässliche und schnelle Rahmenbedingungen.
»Gerade in den Schlüsselindustrien des 21. Jahrhunderts müssen wir schneller werden.«
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter
Der nächste Schritt liegt auf der Hand: Sachsen will seine Stärken weiter ausbauen – insbesondere in den Bereichen Forschung, Chipdesign und »Advanced Packaging«, also der Integration komplexer Systeme auf engstem Raum. Mit der »Smart Power Fab« zeigt Sachsen, was möglich ist, wenn Industrie, Wissenschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. Die Fabrik steht für Innovationskraft, für industrielle Zukunft – und für ein Europa, das seine Schlüsseltechnologien wieder stärker selbst in der Hand hält.
____
___
Vorschaubild: Von links nach rechts: Tochter eines Mitarbeiters von Infineon; Alexander Gorski, COO Infineon Technologies AG; Sohn einer Mitarbeiterin von Infineon; Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung; Jochen Hanebeck, CEO Infineon Technologies AG; Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen; Kristina Eichinger, Produktionsmitarbeiterin Infineon; Dirk Hilbert, Oberbürgermeister Dresden; Ali Asghar Khodadadi, Auszubildender bei Infineon
Copyright: Infineon / Mio Motion
