Florian Schaefer leitet im SMWA das Referat »Erneuerbare Energien, Energiewirtschaft und Energieaufsicht«. In seiner Freizeit engagiert sich der gebürtige Schwabe, dessen Familie sächsische Wurzeln hat, im Ehrenamt als Rettungsassistent: mehr als 15 Jahre Jahre lang beim Deutschen Roten Kreuz und seit 2025 bei der Johanniter-Unfall-Hilfe. Der #ZUKUNFTblog hat mit ihm über seine ehrenamtliche Tätigkeit und den im Februar beschlossenen Anspruch auf Qualifizierungszeit im Freistaat Sachsen gesprochen.
Herr Schaefer, wie sind Sie zum Rettungsdienst gekommen und wie vereinbaren Sie das ehrenamtliche Engagement mit dem Beruf?
Florian Schaefer: Rettungsdienst war schon immer mein Kindheitstraum. Ich habe meinen Zivildienst im Rettungsdienst abgeleistet. Das war eine sehr prägende Zeit für mich – bis heute! Im Anschluss habe ich die damalige Berufsausbildung zum Rettungsassistenten absolviert – auch um mir damit mein Studium zu finanzieren. Später hat mich der Rettungsdienst immer wieder eingeholt. In Freiburg, Berlin und auch in Dresden habe ich nebenher im Rettungsdienst gearbeitet.
Irgendwann dachte ich allerdings, dieses Kapitel sei abgeschlossen. Das hatte vor allem berufliche und private Gründe: Kinder, andere Verpflichtungen, weitere Hobbys. Außerdem hat sich das Berufsbild im Rettungsdienst weiterentwickelt. Heute gibt es mit dem »Notfallsanitäter« eine noch höhere Qualifikationsstufe. Ich dachte deshalb lange, dass ich da nicht mehr richtig hineinpasse.
Dann gab mir jemand an der Landesfeuerwehrschule den Hinweis, dass man auch als Rettungsassistent weiterhin ehrenamtlich im Rettungsdienst arbeiten kann. Da war ich sofort wieder Feuer und Flamme. So bin ich schließlich zu den Johannitern gekommen. Das Ehrenamt ist für mich eine tolle Möglichkeit, um weiterhin im Rettungsdienst tätig sein zu können – und etwas vollkommen anderes zu machen als in meinem eigentlichen Job.
Ich mache meist zwei oder drei Dienste im Monat; die lassen sich gut planen und auch mit der SMWA-Tätigkeit vereinbaren. Es sind Zwölf-Stunden-Schichten – von 7 bis 19 Uhr oder von 19 bis 7 Uhr. Bei Nachtdiensten ist man meist auch nicht permanent unterwegs, kann sich hinlegen und »ruhen« – auch wenn natürlich jederzeit der Piepser losgehen kann. Grundsätzlich benötigt man einen guten Rückhalt zu Hause. Ohne Unterstützung der Familie funktioniert das nicht.
Welche Aufgaben übernehmen Sie konkret und welche Erlebnisse sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Florian Schaefer: Ich arbeite entweder auf dem Rettungswagen zusammen mit einer Kollegin oder einem Kollegen – die sind als Notfallsanitäter(innen) höher qualifiziert und inzwischen auch meist deutlich jünger ich. Mein persönlicher Lieblingsdienst ist allerdings der Einsatz auf dem Notarzteinsatzfahrzeug. Dort fahre ich den Notarzt oder die Notärztin zum Einsatzort. Im Einsatz gehören hier überwiegend organisatorische und unterstützende Aufgaben dazu. Man muss sich mit Medikamenten auskennen, die Technik beherrschen und im Notfall natürlich auch aktiv in der Patientenversorgung unterstützen können. Die Einsätze konzentrieren sich auf den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Wenn man so lange im Rettungsdienst arbeitet – inzwischen sind es fast 30 Jahre – erlebt man natürlich vieles. Besonders prägend sind immer Einsätze mit Kindern. Das sagen vermutlich alle im Rettungsdienst. Klar gehören auch schlimme, tragische Situationen zum Rettungsdienst: Verletzungen, Unfälle, auch Todesfälle. Mich beschäftigen aber inzwischen mehr die sozialen Situationen, die ich im Rettungsdienst erlebe: zum Beispiel, in welch unvorstellbaren Umständen manche Menschen leben. Diese Eindrücke bleiben lange im Kopf. Mit all dem lernt man umzugehen, und zum Glück gibt es dafür heute auch eine gute professionelle Begleitung. Unsere Aufgabe ist es, das Leid so weit wie möglich zu lindern. Und es gibt doch kaum ein schöneres Gefühl, als jemandem helfen zu können, der dringend Hilfe benötigt.
Die Aggressionsschwelle ist allerdings deutlich gesunken. Als ich angefangen habe Mitte der 1990er-Jahre, war das kaum ein Thema. Heute erleben wir mehr Aggressivität, Beleidigungen, Behinderungen oder sogar Angriffe. Ich selbst bin zum Glück noch nicht körperlich angegriffen worden. Aber ich war schon bei Einsätzen dabei, bei denen das Kolleginnen oder Kollegen passiert ist. Das ist erschreckend, und ich bin immer wieder ratlos, wie es so weit kommen kann.
Wie bewerten Sie den neuen Anspruch auf drei Tage Qualifizierungszeit im Freistaat Sachsen?
Florian Schaefer: Maßnahmen wie die neue Qualifizierungszeit sind ein wichtiges Signal der Anerkennung für alle Menschen im Ehrenamt. Im Rettungsdienst muss ich zum Beispiel regelmäßig Fortbildungsstunden nachweisen, um meine Qualifikation zu behalten. Bisher habe ich dafür meist Überstunden oder auch mal einen Urlaubstag genutzt. Mit den neuen Qualifizierungszeiten gibt es dafür nun eine zusätzliche Möglichkeit.
Mir ist grundsätzlich wichtig, für das Ehrenamt zu werben. Wer eine Leidenschaft hat, die sich ehrenamtlich einbringen lässt, sollte das tun. Engagement in Vereinen, im Rettungsdienst oder in anderen sozialen Bereichen ist für unsere Gesellschaft unglaublich wertvoll. Ich habe noch den Zivildienst kennengelernt und dort Erfahrungen im sozialen Bereich gesammelt. Das hat uns jungen Menschen gut getan – und auch der Gesellschaft. Ehrenamt kann helfen, diesen sozialen Zusammenhalt wieder zu stärken.
Gespräch: Christian Adler
Foto oben:
Florian Schaefer beim Checken des Notarzteinsatzfahrzeugs zum Schichtbeginn. (Bildrechte: privat)
