Die Energiewende ist kein Selbstzweck: Sie entscheidet über Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Unabhängigkeit von fossilen Importen in geopolitisch unsicheren Zeiten. Der Handlungsdruck ist hoch: Sachsen erzeugt weiterhin zu wenig Strom aus erneuerbaren Energien – auch im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie ist daher ebenso notwendig wie der Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur. Dazu zählen Speichertechnologien, moderne Stromnetze und perspektivisch wasserstofffähige Gaskraftwerke an ehemaligen Kohlestandorten, um Versorgungssicherheit auch in Übergangsphasen zu gewährleisten.
Eine aktuelle, repräsentative Befragung im Freistaat Sachsen zeigt, die Energiewende trifft in Sachsen überwiegend auf Zustimmung. Die Energiewende ist gesellschaftlich gewollt, bleibt aber erklärungsbedürftig.

Besonders deutlich wird die Ambivalenz im unmittelbaren Wohnumfeld: Keine Energieform wird dort vorbehaltlos akzeptiert. Erneuerbare Energien schneiden zwar besser ab als konventionelle Technologien, stehen aber aufgrund konkreter Ausbauvorhaben stärker im Fokus von Konflikten.

Mit 56 Prozent überwiegt die Zustimmung zu erneuerbaren Energien gegenüber den ablehnenden Stimmen (14 Prozent). Gleichzeitig zeigt sich ein differenziertes Bild: Rund 28 Prozent der Befragten stehen einzelnen Projekten kritisch gegenüber, lehnen erneuerbare Energien jedoch nicht grundsätzlich ab. Entscheidend ist für viele, ob konkrete Vorteile vor Ort erkennbar sind.
Akzeptanz wächst mit konkretem Nutzen
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Zustimmung insbesondere dann entsteht, wenn Projekte nachvollziehbare Mehrwerte bieten. Dazu zählen etwa:
- finanzielle Beteiligung von Kommunen,
- wirtschaftliche Impulse für die Region,
- oder spürbare Entlastungen bei den Energiekosten.

Auch persönliche Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle. Wer bereits Anlagen erneuerbarer Energien in der eigenen Umgebung kennt, bewertet diese häufiger positiv (62 Prozent der Befragten). Menschen ohne Vorerfahrung stehen den erneuerbaren Energien dagegen deutlich öfter neutral gegenüber (40 Prozent der Befragten).
Wirtschaftsminister Dirk Panter betont: »Die Energiewende kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll, regional verankert und für die Menschen vor Ort nachvollziehbar gestaltet wird. Die Ergebnisse zeigen klar, dass wir besser erklären, früher einbinden und konkrete Vorteile sichtbarer machen müssen.«
Hohe Zustimmung für innovative Flächennutzung

Besonders positiv werden Konzepte bewertet, die Flächen mehrfach nutzen:
- Parkplatz-Photovoltaik erreicht eine Zustimmung von 72 Prozent,
- Agri-Photovoltaik wird von 57 Prozent der Befragten unterstützt.
Diese Modelle verbinden Energieerzeugung mit bestehender Nutzung und stoßen daher auf hohe Akzeptanz.
Unterschiede zwischen Stadt und Land geringer als erwartet

Entgegen verbreiteter Annahmen unterscheiden sich die Einstellungen in städtischen und ländlichen Regionen weniger stark. In ländlich geprägten Gebieten äußern sich 50 Prozent positiv gegenüber erneuerbaren Energien, in städtischen Räumen sind es 59 Prozent. Der Anteil Unentschlossener ist in beiden Gruppen ähnlich hoch: 31 Prozent im ländlichen und teilweise städtischen Bereich und 28 Prozent im überwiegend städtischen Bereich geben an, unentschieden zu sein.
Transparenz und frühe Beteiligung sind entscheidend
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Frühzeitige und transparente Information stärkt das Vertrauen in Projekte. Besonders relevant sind für die Menschen vor Ort:
- Kosten und wirtschaftliche Auswirkungen,
- Veränderungen des Landschaftsbildes,
- mögliche Umwelt- und Gesundheitsaspekte.
Hier setzt die Energiepolitik des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) gezielt an: mit klaren Beteiligungsregelungen, umfassenden Informationsangeboten und konkreten Mehrwerten für Kommunen.
Mit dem Erneuerbare-Energien-Ertragsbeteiligungsgesetz profitieren sächsische Gemeinden direkt von neuen Wind- und Solarparks.
Neue finanzielle Handlungsspielräume für sächsische Kommunen durch Windenergie- und Solarparks https://www.energie.sachsen.de/ertragsbeteiligungsgesetz.html
Gleichzeitig unterstützt die Dialog- und Servicestelle erneuerbare Energien der Sächsischen Energieagentur Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen mit Beratung und Dialogangeboten.
Angebot der Dialog- und Servicestelle für erneuerbare Energien https://www.saena.de/sachsen-erneuerbar-8630.html
Zur Umfrage: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1098901
Download: Akzeptanzbefragung zu erneuerbaren Energien im Freistaat Sachsen 2025 (PDF; 400 kB)
Hintergrund:
Zur Erhebung der Einstellung der sächsischen Bevölkerung zu erneuerbaren Energien im Freistaat Sachsen wurde im Oktober und November 2025 eine Online-Befragung durchgeführt. Auftragnehmerin war die Innofact AG aus Düsseldorf. Insgesamt wurden 1.500 Nettointerviews realisiert. Die Stichprobe setzte sich aus der Wohnbevölkerung Sachsens im Alter von 18 bis 79 Jahren zusammen und wurde repräsentativ nach Alter, Geschlecht sowie Wohnort in Stadt und Land ausgewählt.
