Hauptinhalt

#ZUKUNFTblog

Ein Tag als Praktikant in der Porzellanmanufaktur Meissen

Ein Tag als Praktikant in der Porzellanmanufaktur Meissen

Teller um Teller, Tasse um Tasse, Schale um Schale trage ich den Katakomben zum Tisch. Dort überprüfe ich die weiße Keramik aus der Schwanen- und Cosmopolitan-Serie auf Fehler, Ablagerungen oder Risse. Dann werden die edlen Stücke in grobes Seidenpapier gewickelt und in Kisten verpackt. Schon in einer Woche werden das belgische Königspaar und der Bundespräsident in Dresden von diesem Geschirr speisen. Heute arbeite ich in Meißen, der Stadt meiner Kindheit, in einer der ältesten Manufakturen Sachsens: der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen. 

Als Praktikant werde ich in der Versand- und Logistikabteilung eingesetzt. Meine Schicht beginnt um 7.30 Uhr. Logistikchef Robert Rüdger holt mich am Empfang ab. Während draußen der Schnee die Stadt Meißen weiß einhüllt, bin ich nun den ganzen Arbeitstag in der Manufaktur Meissen von weißem Gold umgeben.  Angst, so habe ich mir vorgenommen, werde ich beim Umgang mit Porzellan nicht haben. Bei zu viel Vorsicht geht bestimmt etwas schief!

Nach einer kurzen Einweisung lerne ich meine heutige Chefin Sybille Balzer kennen, die das 12-köpfige Team leitet, in dem ich eingesetzt bin. Hauptsächlich bin ich in der 1.200 Quadratmeter großen Versandabteilung eingesetzt, die sich seit über 300 Jahren in den gleichen Räumen befindet. Fast das gesamte Sortiment mit den blauen Schwertern ist hier zu finden, mit Ausnahme der Sonderanfertigungen, die nur auf Bestellung gebrannt werden. Weit über 10.000 verschiedene Porzellane stehen in den Regalen, auf den Tischen und in den Schubladen. Auch sie sind zum Teil Jahrzehnte alt und atmen den Duft der langen Geschichte der Manufaktur. 

Sybille Balzer erzählte später: »Ich dachte schon bei der Begrüßung, den kennst du doch. Nur auf Martin Dulig bin ich nicht gekommen, wahrscheinlich weil er beim Friseur war und die Haare kürzer hatte. Aber als eine Kollegin ihn sofort erkannt hat, war der Groschen auch bei mir gefallen. Und ich muss sagen, er ist super: freundlich, fleißig, sieht die Arbeit. Und er kann zuhören.« Das Lob höre ich gerne. Und ja, ich habe viel mit meinen Kolleginnen und Kollegen gesprochen, über ihre Arbeit, über die kleinen und großen Probleme des Alltags. Manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit über 40 Jahren in der Manufaktur – andere erst seit wenigen Monaten. Das ist spannend – Tradition und Moderne spiegeln sich auch in der Belegschaft wider. Aber alle eint der Stolz auf ihre Porzellanmanufaktur.

In den ersten Stunden kommissioniere ich die Ware. Die Bestellungen der letzten Stunden aus dem Meissen-Online-Shop, von Kunden aus aller Welt und von Hotels müssen bearbeitet werden. Ich stelle die einzelnen Porzellane zusammen, packe sie in die Kartons. Bis zu 150 Sendungen verlassen derzeit täglich die Manufaktur, rund 50 Prozent mehr als im Sommer. Dabei ist die Weihnachtszeit nur ein Höhepunkt im Jahr der Meissener – auch wenn in China das Neujahrsfest gefeiert wird oder Feiertage in den Arabischen Emiraten anstehen, herrscht hier Hochbetrieb. Nur zu Corona-Zeiten wurden mehr Pakete verschickt – bis zu 400 pro Tag. Aber das lag daran, dass fast überall auf der Welt die Geschäfte geschlossen waren. Die Deutschen, so meine gefühlte Statistik, mögen es eher klassisch mit Zwiebelmuster oder ganz in Weiß. Für Asien und Arabien, für die ich Pakete packe, kann es gar nicht bunt genug sein.

Später helfe ich beim Verpacken von Gin-Sets, die als Weihnachtsgeschenke sehr gefragt sind: edler regionaler Gin mit zwei prächtig verzierten Meissener Bechern in einem schönen Karton. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich mich darüber auch sehr freuen würde. Am Nachmittag packen wir den restlichen Gin und dann auch noch Stollen-Sets – Christstollen und edles Meissner. 

Kurz vor Mittag stelle ich das Geschirr für den Empfang der belgischen Königsfamilie in Dresden zusammen. 90 Gedecke werden von Hand auf Beschädigungen kontrolliert, sorgfältig abgewischt und in Seidenpapier eingewickelt. Das dauert fast zwei Stunden.

Was mir neu ist: Wer Meissner auf die Tafel bringen will, muss sie nicht unbedingt teuer kaufen. Man kann es auch mieten! Edles Geschirr, Teekannen, aber auch Figuren können in der Manufaktur ausgeliehen werden – für Hochzeiten, Jubiläen oder ein ganz besonders romantisches Dinner.

Für mich ist es nicht das erste Mal, dass ich die Manufaktur näher kennenlerne. Erst im vergangenen Jahr war ich hier zu Gast, unter anderem beim Thementag Kaolin. Vom Kaolinabbau – dem Grundstoff des weißen Goldes – über das Schlämmen, Gießen, Bemalen und Brennen konnte ich den gesamten Weg des Porzellans kennen lernen. Ich bin schon stolz darauf, dass wir eine solche Manufaktur im Freistaat haben. Und noch dazu in meinem Landkreis – wir haben einfach alles: Stahlwerke, Weinbau, Porzellan… Meißen steht weltweit für Tradition, Kunst und sächsisches Manufakturhandwerk und wirbt damit für ganz Sachsen. Nicht umsonst verschenken wir bei unseren Auslandsreisen immer Meißner Mitbringsel: Denn der Meißner ist weltweit bekannt und beliebt.

Es ist wichtig, dass wir in Sachsen dieses kulturhistorische Erbe, das Monarchie, Krieg und DDR-Zeit überdauert und sich immer weiter entwickelt hat, pflegen und wertschätzen. Die Arbeit jedes Einzelnen – angefangen von den beiden Kaolinbergleuten in der kleinsten Grube der Welt über die Zeichner der geschwungenen blauen Schwerter bis hin zu den Kolleginnen und Kollegen in meiner Verpackungsabteilung – ist wertvoll. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie sehr sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Manufaktur identifizieren, ein Teil von Meissen in Meißen sind. Dafür kann ich nur sagen: Danke und Respekt!

Mehr zum Kaolin in Sachsen

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

zurück zum Seitenanfang