Wenn es um die Energie der Zukunft geht, spielt Wasserstoff längst keine Nebenrolle mehr. Er gilt als Schlüsselfaktor für eine klimaneutrale Wirtschaft. Seit 2022 bündelt die sächsische Kompetenzstelle Wasserstoff (KH2) Wissen, Projekte und Netzwerke rund um den Energieträger der Zukunft. Nun wird ihre Arbeit fortgeführt – ein wichtiger Schritt für den weiteren Ausbau der Wasserstoffwirtschaft im Freistaat.
Was bisher erreicht wurde
Die KH2, getragen von Energy Saxony und HZwo e.V., hat sich in den vergangenen drei Jahren als zentrale Plattform für Wasserstofffragen etabliert. Sie ist zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, Kommunen, Forschungseinrichtungen und Bürgerinnen und Bürger – und vertritt den Freistaat auf nationaler und internationaler Bühne. Ob bei den »Hydrogen Days« in Prag oder dem »World Hydrogen Summit« in Rotterdam: Die Kompetenzstelle sorgt dafür, dass Sachsens Innovationskraft weithin sichtbar wird. Ein besonderer Fokus lag bislang auf dem Aufbau partnerschaftlicher Strukturen, etwa mit Tschechien, Polen, Spanien, Frankreich und Finnland, sowie auf der Unterstützung beim Aufbau des Wasserstoffkernnetzes, das künftig Erzeuger und Verbraucher verbindet.

Sachsens Wirtschafts- und Energieminister Dirk Panter betont die Bedeutung von Wasserstoff für die Energiezukunft: »Wasserstoff ist ein zentrales Thema nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Entscheidend ist der Ausbau der Leitungsinfrastruktur, die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung und Speicherung sowie langfristig auch der Betrieb von Gaskraftwerken mit Wasserstoff. In Sachsen gibt es bereits zahlreiche starke Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Sie zu vernetzen, neue Unternehmen als Partner zu gewinnen und die sächsische Wasserstoff-Community international sichtbar zu machen, ist eine der wichtigsten Aufgaben von »KH2«.«
Blick nach vorn: Infrastruktur und industrielle Nutzung
Die Zukunft der Kompetenzstelle Wasserstoff bleibt praxisnah und strategisch zugleich. Ihre Informations- und Beratungsangebote werden sich künftig auf vier Schwerpunkte konzentrieren:
- Aufbau der nationalen und regionalen Wasserstoffinfrastruktur
- Nutzung von Wasserstoff in energieintensiven Industrien
- Industrialisierung von Wasserstofftechnologien
- Einsatz im Verkehrs- und Energiesektor
Diese Themen ordnen sich in das große Ziel ein, bis 2030 eine leistungsfähige Wasserstoffwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette in Sachsen aufzubauen.
Der aktuelle Stand: Anbindung von Sachsen ans Kernnetz
Ein Meilenstein war die Genehmigung des bundesweiten Wasserstoff-Kernnetzes im Oktober 2024. Es umfasst 9.040 Kilometer Pipeline, die bis 2032 entstehen sollen. Sachsen ist dabei von Anfang an eingebunden – besonders die Regionen Dresden, Leipzig, Zwickau, die Lausitz und der Meißner Industriebogen profitieren als erste.Für Regionen wie Chemnitz und Südwestsachsen, die zunächst noch nicht direkt angeschlossen sind, gibt es ebenfalls Fortschritte: Die eins energie in sachsen GmbH & Co. KG arbeitet bereits an der Vorbereitung der Anbindung, um den Wirtschaftsraum Chemnitz langfristig zu sichern.
Zukunftsprojekte mit Strahlkraft
Innerhalb verschiedener Vorhaben nimmt die Energiewende in Sachsen zunehmend praktische Gestalt an:
- IPCEI-Projekte »Green Octopus Mitteldeutschland« und »Doing Hydrogen«: Diese großangelegten europäischen Initiativen von ONTRAS Gastransport GmbH treiben Produktion, Transport und Nutzung von Wasserstoff voran.
- BMW Group Werk Leipzig: Das Werk wird als weltweit erste Automobilproduktion über eine Wasserstoff-Pipeline versorgt – ein Meilenstein für die Branche.
- Hydrogen Innovation Center (HIC) in Chemnitz: Seit 2025 offiziell gefördert, entsteht hier eines der vier nationalen Innovations- und Technologiezentren (ITZ H2). Es wird künftig Forschungs-, Test- und Zertifizierungsinfrastruktur für Wasserstofftechnologien bieten.
Herausforderungen und Chancen
Die nächsten Jahre werden entscheidend für den Durchbruch der Wasserstoffwirtschaft sein. Mit dem geplanten Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz des Bundes sollen Zulassungs- und Vergabeverfahren deutlich vereinfacht und digitalisiert werden.
Zudem starten die Betreiber des Wasserstoff-Kernnetzes Anfang 2026 erstmals reservierbare Wasserstoffkapazitäten, die Unternehmen helfen, Projekte abzusichern. Gleichzeitig gilt es, pragmatisch zu bleiben – etwa bei der Definition der »grünen« Wasserstoffkriterien und der Förderung marktfähiger Anwendungen. Wichtig ist, dass die Abnehmer zeitnah ans Netz kommen, damit sich eine stabile Nachfrage entwickelt. Ein wichtiger Punkt ist außerdem die Umsetzung des EU-Gas- und Wasserstoffbinnenmarktpakets in der aktuellen EnWG-Novelle. Diese bringt zahlreiche neue Vorgaben für das Marktdesign und die Regulierung der Energieinfrastrukturen mit sich. Mit den geplanten Verteilernetzentwicklungsplänen könnten künftig auch auf Verteilnetzebene wichtige Impulse für den Fortschritt der Energiewende gesetzt werden.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie Sachsen seine starke Forschungslandschaft, industrielle Basis und internationale Kooperationen nutzen kann, um den Freistaat ein Stück näher an die Wasserstoffzukunft zu bringen.
Weitere Informationen unter: https://www.energie.sachsen.de/kh2.html

