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#ZUKUNFTblog

»Sachsen ist ein rohstoffreiches Land« – Interview mit dem Sächsischen Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer 

»Sachsen ist ein rohstoffreiches Land« – Interview mit dem Sächsischen Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer 

Seit 2011 leitet der promovierte Geologe Prof. Dr. Bernhard Cramer eine der traditionsreichsten Behörden im Freistaat Sachsen – das Sächsische Oberbergamt. Im #ZUKUNFTblog spricht er über die Bergbautradition in Sachsen, die Arbeit der Bergverwaltung in Sachsen und die Chancen der sächsischen Rohstoffe. 

ZUKUNFTblog: Herr Prof. Dr. Cramer, im Sächsischen Oberbergamt begrüßt man sich nicht mit Guten Morgen oder Hallo, sondern mit einem herzlichen Glückauf! Warum das? 

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Glückauf ist der traditionelle Gruß und die Respektbezeugung der Bergleute, wenn sie sich sehen, sich treffen oder in den Berg einfahren«, wie es in der Bergmannssprache heißt. Das hat sich auch hier in der Region, besonders hier um Freiberg, aber natürlich auch im gesamten Erzgebirge, zu einem allgemeinen Gruß etabliert. Das zeigt die Verbundenheit mit der Geschichte der Region, die natürlich über viele Jahrhunderte sehr eng mit dem Bergbau verbunden ist. Deshalb: Glückauf! 

Prof. Dr. Bernhard Cramer
Bild: Detlev Müller

ZUKUNFTblog: Warum gibt es eigentlich ein Oberbergamt?

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Bergbau bedeutet immer, dass mit großem Aufwand große Werte aus unserer Erde gewonnen werden. Und große Werte bedeuten, dass es  Konflikte gibt, und dass daraus auch immer Regelungsbedarf entsteht. Dabei spielt die Sicherheit der Betriebe eine wichtige Rolle. Natürlich ist auch der Umweltschutz im Bereich des Bergbaus sehr wichtig. So hat man schon sehr früh auch hier in der Region, im Erzgebirge, aber auch in anderen Regionen seitens der staatlichen Gewalt die Notwendigkeit gesehen, entsprechende Regelungen für den Bergbau durchzusetzen. Dazu wurden Gesetze erlassen und zu deren Durchsetzung gehört natürlich eine staatliche Instanz, die sich dieser Aufgabe annimmt. Hier in Sachsen gehen entsprechende staatliche Strukturen nachweislich auf erste hoheitliche Regelungen im 13. Jahrhundert zurück. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es das Oberbergamt hier in Freiberg und seit 1679 arbeiten wir hier in diesem traditionsreichen Gebäude im Herzen der Freiberger Innenstadt. Wir sind also eine sehr alte, aber beim besten Willen keine trockene Behörde, die sich um den Bergbau in Sachsen kümmert. Wir sind eine moderne Behörde, die sich den Herausforderungen der Zeit stellt.

ZUKUNFTblog: Was sind die Aufgaben des Oberbergamtes?

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Im Freistaat Sachsen sind wir die für die Belange des Bergbaus zuständige Behörde. Ein Teil unserer Aufgaben ergibt sich aus dem abgeschlossenen Bergbau, hier insbesondere aus der Sanierung und Wiedernutzbarmachung von Flächen des stillgelegten DDR-Bergbaus. Neben der Sanierung der Braunkohlenreviere im Norden des Freistaates, spielt dabei auch die Sanierung der Hinterlassenschaften des Erzbergbaus der DDR, z.B. der Wismut, eine große Rolle. Als Polizeibehörde sind wir zudem für die Abwehr von Gefahren zuständig, die von untertägigen Grubenbauen und Bauwerken des Altbergbaus ausgehen, für den kein Unternehmen mehr verantwortlich gemacht werden kann.

ZUKUNFTblog: Jetzt gibt es aber auch einen neuen Bergbau. Seit Jahren heißt es, es gibt ein »neues Berggeschrey im Bergab in Sachsen«. Was ist das Neue am Bergbau in Sachsen?

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Neben den Hinterlassenschaften des stillgelegten Bergbaus liegt unsere Hauptaufgabe natürlich in der Rohstoffgewinnung aus aktivem Bergbau. Insgesamt werden in Sachsen jährlich etwa 70 Millionen Tonnen Rohstoffe durch Bergbau gewonnen. Hierbei unterscheiden wir den Braunkohle Bergbau von den Bergbaubetrieben der Steine- und Erdenbranche. Die Braunkohle sichert uns als Brücke in das Zeitalter der Erneuerbaren aktuell unsere stabile Stromversorgung. Als Behörde gestalten und setzen wir den Ausstieg aus der Braunkohle in Zusammenarbeit mit den Unternehmen um. Die Stein- und Erdenbetriebe gewinnen Rohstoffe vorwiegend im Tagebau und liefern täglich Massenrohstoffe für die Erstellung von Infrastruktur und für industrielle Zwecke. Und schließlich haben wir den neuen Bergbau auf Erze und Sparte. Der Erz-Bergbau hier in Sachsen erwacht seit einigen Jahren wieder zum Leben. Nachdem in Deutschland seit 1992 keine Erz-Bergwerke mehr aktiv waren, haben steigende Rohstoffpreise dazu geführt, dass Unternehmen die noch vorhandenen Erzlagerstätten neu erkunden und neue Erzbergwerke planen und zur Genehmigung bei uns beantragen. 

ZUKUNFTblog: Und wie werden die Vorschriften umgesetzt?

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Natürlich gelten für den aktiven Bergbau in Deutschland Gesetze als rechtliche Grundlage für die Genehmigung und den Betrieb der Bergwerke. Von zentraler Bedeutung ist dabei das Bundesberggesetz, welches den gesamten Bergbauzyklus regelt. Der Vollzug dieses Bundesgesetzes obliegt den Bundesländern; im Freistaat Sachsen ist dafür das Oberbergamt die zuständige Behörde. Damit sind wir zuständig für fast alle Belange des Bergbaus – von der Verleihung von Bergbaurechten über die Zulassung von Betrieben, die Überwachung der Einhaltung von Vorschriften, die Bergaufsicht, bis zur Betriebs- und Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Wir prüfen, genehmigen und überwachen diese Prozesse und sind somit für den gesamten Lebenszyklus des Bergbaus im Freistaat Sachsen zuständig. Unsere Arbeit ist sehr interessant und abwechslungsreich, denn sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen rechtlichen, bergbautechnischen, umweltfachlichen und rohstoffwirtschaftlichen Fragestellungen. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit spielt dabei eine wichtige Rolle. Wir haben viele unterschiedliche Bergbaubetriebe und stehen immer wieder vor großen, neuen Herausforderungen. Außerdem sind wir als sächsische Seilbahnbehörde für die Aufsicht über elf Seilbahnen zuständig, was eine etwas andere Aufgabe als der Bergbau ist. Wir haben derzeit rund 90 hochmotivierte, fachlich versierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

SMWA Rohstofftag 2021
Bild: SMWA
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (l) und Prof. Dr. Bernhard Cramer im Kaolin-Tagebau

ZUKUNFTblog: Haben Sie keine Probleme, Nachwuchs zu finden?

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Im öffentlichen Dienst ist es derzeit generell eine Herausforderung, Nachwuchs zu gewinnen. Unser Oberbergamt war vor zehn Jahren ein Beispiel für eine stark überalterte Behörde. Das war damals ein großes Problem, dem wir uns aktiv gestellt haben. Inzwischen haben wir den Generationswechsel fast vollständig vollzogen und sind damit anderen Behörden vielleicht einen Schritt voraus. Unsere Standortvorteile liegen in Freiberg, wo die TU Bergakademie Freiberg alle relevanten technischen Berufe ausbildet, die auch für uns wichtig sind. Unser Oberbergamt genießen den Ruf einer modernen und mitarbeiterfreundlichen Behörde und auch die Stadt Freiberg selbst ist ein Magnet für die Menschen aus der Region. Bis auf wenige Ausnahmen ist es uns so gelungen, alle bisher durch den Generationswechsel frei gewordenen Stellen sehr gut neu zu besetzen.

ZUKUNFTblog: Wie steht Sachsen im weltweiten Rohstoffvergleich da?

Prof. Dr. Bernhard Cramer: Sachsen ist auch im internationalen Vergleich ein mit mineralischen Rohstoffen gesegnetes Land. Neben Braunkohle und den reichen und vielfältigen Steine- und Erdenvorkommen haben wir immer noch relevante Metallerzvorkommen. Als Science-Fiction-Fan stelle ich mir vor, dass eine außerirdische Zivilisation die Erde besucht und vorab einen kurzen Zwischenstopp auf dem Mond einlegt, um die Rohstoffpotentiale der Erde zu scannen. Hier würde das Erzgebirge auch nach über 800 Jahren Erzbergbau als geologisch reiche Region für Metallerze wie eine Anomalie deutlich hervortreten. Sachsen ist also ein rohstoffreiches Land und bietet der nächsten Generation immer wieder neue Möglichkeiten, diesen Reichtum für seine eigene Entwicklung zu nutzen.

ZUKUNFTblog: Vielen Dank für das Gespräch! 

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