11.08.2023

Ein Tag als Aushilfe beim Sonderfahrzeugbauer BINZ in Plauen

Minister Martin Dulig schaut aus einem Fahrzeug beim Sonderfahrzeugbauer BINZ in Plauen.
© SMWA

Staatsminister Martin Dulig als Aushilfe beim Sonderfahrzeugbauer BINZ in Plauen.

Über Kopf ziehe ich Kabel, klemme diese in die vorgesehenen Öffnungen des olivgrünen Fahrgestells. Ich sitze in einem künftigen Sanitätstransporter, welcher zeitnah an die Bundeswehr geliefert werden soll. Denn heute bin ich als Praktikant bei BINZ Automotive in Plauen angestellt. Ein ganz besonderer Einsatz für mich, denn mit dem Werk verbinde ich persönlich viele Erinnerungen.

Sanitätstransporter © SMWA

Heute arbeite ich in Plauen im einstigen Werk von Neoplan, später MAN – jetzt BINZ. Zum ersten Mal bin ich für mein Projekt »Deine Arbeit, meine Arbeit« in meiner Geburtsstadt. Die Nacht zuvor verbringe ich bereits hier, da der Arbeitseinsatz um 6.30 Uhr startet. Kurz nach 6 Uhr erhalte ich meine Arbeitskleidung und eine Arbeitsschutzbelehrung. Dann bringt mich mein Teamleiter Stefan Hertling in die Halle 11, mein heutiger Arbeitsplatz.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon in dem Werk gewesen bin. Die Busproduktion von Neoplan hat mich immer beeindruckt, auch die späteren Umbauten von Reisebussen durch MAN. Dann kam die große Krise – MAN beschloss, das Werk in Plauen 2020 zu schließen. In München verhandelte ich zu Corona-Spitzenzeiten mit dem Vorstand, führte unzählige Telefonate. Gemeinsam mit dem Betriebsrat und der IG Metall haben wir nach einer tragfähigen Lösung gesucht, um das Werk zu retten. Dann meldete sich Cathrin Wilhelm, die Chefin des Sonderfahrzeugherstellers BINZ Automotive GmbH aus Ilmenau in Thüringen bei uns und machte MAN das Angebot, das Werk zu übernehmen. Im März 2021 war es geschafft. Der Standort war gesichert. Und nicht nur das: BINZ beschäftigt derzeit 340 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 120 in Plauen. In den nächsten Jahren sollen es insgesamt über 500 (!) werden. Überall werden Fach- und Arbeitskräfte gesucht – auch in der Grenzregion in Bayern, denn die Aufträge werden immer größer.

Eine Werkhalle der Firma BINZ Sonderfahrzeugbau in Plauen. © SMWA

Tatsächlich werde ich heute auffallend oft erkannt – trotz Arbeitskleidung. »Ich kenne dich vom Streik«, »Du hast dich für uns eingesetzt« und auch ein schlichtes »Danke« höre ich immer wieder. Und so spricht sich im Werk schnell herum, dass der neue Praktikant »der Minister« ist. Trotzdem ist von Anfang an klar: Wir sind und bleiben beim »Du«, ich bin ein Kollege und mache die gleiche Arbeit wie alle anderen. Stefan Hertling scherzt zwischendurch, dass ich »die Quote versaue«: Ich stelle mich an meinem ersten Tag offenbar geschickter an, als mein Teamleiter dachte.

Unsere Aufgabe ist es, innerhalb weniger Tage einen normalen LKW in ein Sanitätsfahrzeug – einen so genannten Ungeschützten Verwundetentransportwagen (UVT) – für die Bundeswehr umzubauen. Dazu wird das Serienfahrzeug mehr oder weniger »entkernt«. Alle Decken und Böden, Leitungen, Anschlüsse und Einbauten werden aus dem Fahrzeug ausgebaut. Neue Leitungen, etwa für Signalanlagen (Blaulicht und Funk), werden eingebaut. Auf der Transportfläche entsteht ein Sanitätsaufbau, wo im Einsatz alle lebensnotwendigen Maßnahmen durchgeführt werden können. Innerhalb von zwei Wochen entsteht so mehr oder weniger ein komplett neues Fahrzeug. 294 Fahrzeuge sollen bis zum ersten Halbjahr 2026 hier umgebaut werden – mit der Option auf weitere bis zu 500 Fahrzeuge.

Das Werk Plauen rüstet Serien- in Spezialfahrzeuge um. Für die Polizei werden Einsatzfahrzeuge ausgestattet, für das Technische Hilfswerk oder die Feuerwehr Transporter umgebaut. Der Vertrag mit der Bundeswehr war ein wichtiger Auftrag für die Zukunft des Unternehmens. Wäre vor ein paar Jahren ein Auftrag für das Militär wohl noch skeptisch von einigen Mitarbeitern beäugt worden, so sind auf Grund der aktuellen geopolitischen Lage solche Bedenken vom Tisch: Sanitätsfahrzeuge, ob zivil oder militärisch, leisten einen wichtigen Dienst und retten Menschenleben. Dieser Aufgabe sind sich alle meine Kolleginnen und Kollegen bewusst. Und BINZ ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten und mittlerweile der einzige Partner der Bundeswehr für Sani-Einbauten.

Immer wieder spreche ich mit Kolleginnen und Kollegen über die Arbeitsbedingungen. Sie sind sehr zufrieden, der ausgehandelte Tarifvertrag sichert Arbeitsplätze im direkten Wohnumfeld – obwohl auch ein nahegelegener Automobilkonzern mit lukrativen Löhnen lockt und immer wieder versucht, Fachkräfte abzuwerben. Auch sonst, so versichern mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, stimmt es einfach bei BINZ. Nach Jahren der Aufregung ist nun endlich Ruhe eingekehrt – Sicherheit, dass der Job in der Heimat sicher ist und Zukunft hat.

Um Punkt 14:56 Uhr ist Feierabend. Diese Zeit für das Schichtende definiert der Tarifvertrag. Beim Umziehen freue ich mich, dass BINZ in Plauen nicht nur ein guter Arbeitgeber ist, sondern ein kleines Einhorn auf dem deutschen Markt – ein erfolgreiches Unternehmen, das sich in einer Nische hervorragend positioniert hat. Den Kolleginnen und Kollegen, die in den vergangenen Jahren durch viele Täler gehen mussten, aber nie den Mut verloren haben und jeden Tag einen hervorragenden Job machen, kann ich nur sagen: Respekt! Ich werde ganz bestimmt bald wieder zu BINZ in meine herzliche und herrliche vogtländische Heimat kommen.

Minister Martin Dulig läuft neben einem Kollegen bei BINZ in Plauen. © SMWA
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