{"id":8622,"date":"2026-07-01T09:11:22","date_gmt":"2026-07-01T07:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/?p=8622"},"modified":"2026-07-01T09:12:46","modified_gmt":"2026-07-01T07:12:46","slug":"drei-fragen-an-christoph-zimmer-conrad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/2026\/07\/01\/drei-fragen-an-christoph-zimmer-conrad\/","title":{"rendered":"Drei Fragen an Christoph Zimmer-Conrad"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Leiter der Stabsstelle Ansiedlungen ist seit 30 Jahren im SMWA besch\u00e4ftigt und steht vor dem Eintritt in den Ruhestand. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber pers\u00f6nliche Meilensteine, Szenarien f\u00fcr \u00bbZuk\u00fcnfte\u00ab des Wirtschaftsstandortes Sachsen und das Loslassen vom Beruf.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Christoph Zimmer-Conrad, 1960 im osthessischen Fulda geboren und aufgewachsen, studierte nach dem Abitur am Fuldaer Domgymnasium (mit inzwischen 1278 Jahren Geschichte eine der \u00e4ltesten Schulen Deutschlands) Rechtswissenschaften und einige Semester Volkswirtschaftslehre an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen. Nach dem Referendariat in Hessen war er bis 1996 bei der fr\u00fcheren Bundesanstalt f\u00fcr Arbeit t\u00e4tig, zuletzt als Abteilungsleiter und stellvertretender Direktor des Arbeitsamtes Bautzen. Im gleichen Jahr wechselte Christoph Zimmer-Conrad ins SMWA, wo er u. a. die Referate Technologie und Industrie leitete. Aktuell ist er Leiter der Stabsstelle Ansiedlungen. Seine Dienstzeit endet offiziell am 28. Februar 2027. Christoph Zimmer-Conrad hat drei S\u00f6hne und eine Enkeltochter.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"HHerrZimmer-Conrad2CwelcheEreignisseundErfolgeausFCber40Berufsjahren2CdavondreiViertelimSMWA2CwerdenIhneninbesondererErinnerungbleibenundwarum3F\">Herr Zimmer-Conrad, welche Ereignisse und Erfolge aus \u00fcber 40 Berufsjahren, davon drei Viertel im SMWA, werden Ihnen in besonderer Erinnerung bleiben und warum?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Zimmer-Conrad:<\/strong>&nbsp;Da ist nat\u00fcrlich allerhand passiert. In der Arbeitsverwaltung waren die historischen Hypotheken Ostdeutschlands nach 1989 mit besonderer Wucht zu sp\u00fcren. Mauerfall und Deutsche Einheit haben mich sehr bewegt &#8211; eigentlich bis heute. Viele mutige Menschen, gerade auch in Sachsen, sowie einige gl\u00fcckliche Begleitumst\u00e4nde in der damaligen Sowjetunion, in Polen, im Vatikan und in den USA haben zur friedlichen Revolution und zur Wiedervereinigung beigetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit etwas weniger westdeutscher Saturiertheit und noch mehr Konsequenz der damaligen Politik in Bonn und Berlin, aber auch mit weniger Regulierungs- und Harmonisierungswahn aus Br\u00fcssel, h\u00e4tte man den \u00bbAufbau Ost\u00ab noch viel erfolgreicher gestalten k\u00f6nnen. Dennoch war und ist gerade der Freistaat Sachsen weit vorangekommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote has-text-align-center\"><blockquote><p>\u00bbDie Er\u00f6ffnung der neuen Infineon-Fabrik sendet in diesen Tagen das Signal in die Welt, dass Sachsen ein sehr guter Standort f\u00fcr Investitionen in der Halbleiterindustrie ist.\u00ab<\/p><cite>Christoph Zimmer-Conrad, Leiter der Stabsstelle Ansiedlungen im SMWA<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich empfand jeden Tag als Verpflichtung und als Geschenk zugleich, an dem ich an der erfolgreichen Entwicklung Sachsens in bescheidenem Umfang mitwirken durfte. \u00dcber eigene Erfolge sollte man nicht selbst sprechen. Aber Infineon nach der Insolvenz von Qimonda &#8211;&nbsp;mit gro\u00dfartiger Unterst\u00fctzung einiger weniger beteiligter Kollegen &#8211; dazu gebracht zu haben, in die damals neue 300mm-Technologie f\u00fcr Leistungshalbleiter nicht in Malaysia, sondern in Sachsen zu investieren, war besonders wichtig, weil diese Entscheidung zugleich einen Wendepunkt f\u00fcr die damals schon halbtotgesagte s\u00e4chsische Mikroelektronikindustrie bedeutete.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnung der neuen Infineon-Fabrik sendet in diesen Tagen das Signal in die Welt, dass Sachsen ein sehr guter Standort f\u00fcr Investitionen in der Halbleiterindustrie ist. Gleichzeitig warne ich davor, sich auf diesem Erfolg auszuruhen. Die Chips verlassen Dresden und fliegen anschlie\u00dfend mehrfach um die Welt, bevor sie tats\u00e4chlich in Autos oder anderen Anwendungen zum Einsatz kommen. Das sogenannte Backend sowie weitere Abschnitte der Wertsch\u00f6pfung finden \u00fcberwiegend nicht hier statt. Auch das Chipdesign vor der Fertigung ist noch relativ schwach ausgepr\u00e4gt. Auf diesen Gebieten sehe ich noch Wertsch\u00f6pfungspotenziale.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ein bisschen Stolz erinnere ich mich auch an das \u00bbSparring\u00ab, welches ich s\u00e4chsischen Antragstellern bei gro\u00dfen Projekten und Wettbewerben des Bundes angeboten hatte, um ihre Chancen bei der Auswahl zu erh\u00f6hen. Das hat ziemlich gut funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und klar gab und gibt es auch Dinge, die nicht so laufen, wie man es sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte. So hat sich zum Beispiel noch kein Investor gefunden, der die Projektidee eines Testrings f\u00fcr Eisenbahntechnik in Sachsen (TETIS) verwirklicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"HDiesE4chsischeWirtschafterlebtgeradewiedereinePhasetiefgreifenderTransformation.WosehenSiedenWirtschaftsstandortSachsenin10bis15Jahren3F\">Die s\u00e4chsische Wirtschaft erlebt gerade wieder eine Phase tiefgreifender Transformation. Wo sehen Sie den Wirtschaftsstandort Sachsen in 10 bis 15 Jahren?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Zimmer-Conrad:<\/strong>&nbsp;In Anbetracht der globalen Unw\u00e4gbarkeiten f\u00e4llt es schwer, so weit in die Zukunft zu schauen. Ein fr\u00fcherer Staatsminister unseres Hauses hat gern von \u00bbZuk\u00fcnften\u00ab gesprochen. Denn es sind verschiedene Szenarien denkbar. Sollten Krisen, Konflikte und Kriege in der Welt auf dem aktuellen Niveau verharren oder gar zunehmen, und sollten Br\u00fcssel und Berlin gleichzeitig nicht in der Lage sein, die Rahmenbedingungen in Europa und Deutschland f\u00fcr Investitionen ma\u00dfgeblich zu verbessern, sieht es nicht gut aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Europa und Deutschland im globalen Wettbewerb immer weiter abrutschen, hat es auch der eigentlich recht gut aufgestellte Wirtschaftsstandort Sachsen nicht leicht. Wir sind stark in der Halbleiterindustrie und in der Medizintechnik. Hier m\u00fcssen wir weiter intensiv Innovationen bef\u00f6rdern und unseren Anteil an der Wertsch\u00f6pfung vergr\u00f6\u00dfern. Und wir haben das Potenzial, auf dem Sektor Sicherheit und Verteidigung mehr von den \u00f6konomischen Effekten einer &#8211; traurigerweise &#8211; gestiegenen Nachfrage nach entsprechenden G\u00fctern und Dienstleistungen zu profitieren. Traditionsbranchen wie Automobil- und Maschinenbau hingegen werden sich einer immer st\u00e4rkeren &#8211; insbesondere chinesischen &#8211; Konkurrenz ausgesetzt sehen. Da stehen schmerzhafte Anpassungen und eine viel st\u00e4rkere Automatisierung und Robotisierung auf der Agenda. Nur mit deutlich h\u00f6herer Produktivit\u00e4t k\u00f6nnen wir diejenigen Mittel erwirtschaften, die die Politik allzu gern f\u00fcr viele gutgemeinte Zwecke ausgibt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"323\" height=\"430\" src=\"https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG-20260615-WA0004-323x430.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8624\" srcset=\"https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG-20260615-WA0004-323x430.jpg 323w, https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG-20260615-WA0004-960x1280.jpg 960w, https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG-20260615-WA0004-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG-20260615-WA0004-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/IMG-20260615-WA0004.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Christoph Zimmer-Conrad im Bautzner Dom (Bildrechte: privat)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"HIhrNamenskFCrzel201EZiCo201CistquasieinMarkenzeichenimSMWA.WirdesIhnenleichtfallen2CvonderArbeitloszulassen2CundwasmF6chtenSiedenBeschE4ftigtenmitaufdenWeggeben3F\">Ihr Namensk\u00fcrzel \u00bbZiCo\u00ab ist quasi ein Markenzeichen im SMWA. Wird es Ihnen leichtfallen, von der Arbeit loszulassen, und was m\u00f6chten Sie den Besch\u00e4ftigten mit auf den Weg geben?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Christoph Zimmer-Conrad:<\/strong>&nbsp;Nach l\u00e4ngeren Urlauben stellt man fest: Ein Leben ohne B\u00fcro ist m\u00f6glich. Wie schwer oder leicht es mir fallen wird, den Beruf ganz loszulassen, wird sich zeigen. Ich habe in den vergangenen Wochen schon einige Aufgaben und etliche Ehren\u00e4mter in Beir\u00e4ten und Kuratorien an sehr gute j\u00fcngere Kolleginnen und Kollegen abgeben d\u00fcrfen. Das ist ein rundum gutes Gef\u00fchl. Mehr Zeit zu haben f\u00fcr meine privaten Interessen &#8211; Radfahren, Bergsteigen und die Musik von Johann Sebastian Bach -, werde ich auch genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Ehrenamt als (Aushilfs-)Organist im katholischen Teil des Bautzner Doms werde ich weiter aus\u00fcben, solange das m\u00f6glich ist. Im Durchschnitt bin ich an einem Wochenende im Monat f\u00fcr bis zu vier Gottesdienste eingeteilt. Ich mache das dort schon seit 32 Jahren, insgesamt nun schon \u00fcber 50 Jahre. Am Pfingstmontag 1976 hatte ich zum ersten Mal einen Gottesdienst begleitet &#8211; damals in einer Garnisonskirche der US-Army und dann bald auch in anderen Kirchen meiner Heimatstadt Fulda.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen ich hier \u00fcber viele Jahre zusammenarbeiten durfte, wissen, dass ich ein Verfechter des aktiven Genus Verbi bin. Ich st\u00f6re mich sehr an passiven Formulierungen. Denn gerade in einer gestaltenden Wirtschaftspolitik &#8211; aber auch auf vielen anderen Politikfeldern &#8211; sind konkrete Aktivit\u00e4ten gefragt. Im Passiv l\u00e4sst sich viel zu einfach verstecken, wer eigentlich was konkret machen muss. Neulich habe ich in einer Vorlage allen Ernstes gelesen, dass \u00bbder Transformationsprozess in S\u00fcdwestsachsen aktiv gestaltet werden\u00ab m\u00fcsse &#8211; eine passiv formulierte Forderung nach Aktivit\u00e4t! Daraus kann nichts werden. Wer etwas verbessern will, muss das aktiv machen. Dieses kleine Verm\u00e4chtnis w\u00fcrde ich dem Haus gern hinterlassen. Freilich muss man der n\u00e4chsten Generation selbstverst\u00e4ndlich auch die Chance geben, ihre eigenen Wege und L\u00f6sungen zu finden. Mit Blick auf meine S\u00f6hne sowie auf viele hoch engagierte junge Kolleginnen und Kollegen im SMWA bin ich da recht zuversichtlich.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"HVielenDankfFCrdasGesprE4ch21\">Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Interview f\u00fchrte Christian Adler.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Bildrechte Foto oben: SMWA, Julian Hoffmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Leiter der Stabsstelle Ansiedlungen ist seit 30 Jahren im SMWA besch\u00e4ftigt und steht vor dem Eintritt in den Ruhestand. 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