{"id":1217,"date":"2023-01-12T09:19:30","date_gmt":"2023-01-12T09:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/?p=1217"},"modified":"2023-01-12T09:52:36","modified_gmt":"2023-01-12T09:52:36","slug":"sachsen-hat-das-potenzial-zum-weltweiten-leitanbieter-fuer-carbonbeton-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.smwa.sachsen.de\/blog\/2023\/01\/12\/sachsen-hat-das-potenzial-zum-weltweiten-leitanbieter-fuer-carbonbeton-zu-werden\/","title":{"rendered":"Frank Schladitz: \u00bbSachsen hat das Potenzial, zum weltweiten Leitanbieter f\u00fcr Carbonbeton zu werden.\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p>Carbonbeton gilt als Schl\u00fcsseltechnologie im Bauwesen, um die Klimaziele zu erreichen. Bislang ist f\u00fcr die langfristige Tragf\u00e4higkeit von Betonbauwerken eine Bewehrung aus Stahl einzubauen. Carbonbeton kann die CO<sub>2<\/sub>-intensive Stahlbetonbauweise ersetzen. Der Werkstoff ist leichter, nicht rostend, recycelbar und somit ressourcenschonender. Der #ZUKUNFTblog hat mit Dr.-Ing. Frank Schladitz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/carbon-concrete.org\/\" target=\"_blank\">C\u00b3 \u2013 Carbon Concrete Composite e. V.<\/a>, Tr\u00e4gerverein des s\u00e4chsischen Innovationsclusters \u00bbC\u00b3Saxony\u00ab, \u00fcber die Einsatzm\u00f6glichkeiten von Carbonbeton gesprochen. Schladitz ist zugleich Forschungsgruppenleiter des <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/tu-dresden.de\/bu\/bauingenieurwesen\/imb\" target=\"_blank\">Institutes f\u00fcr Massivbau an der Technischen Universit\u00e4t Dresden<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>#ZUKUNFTblog:<\/strong> \u00bbC\u00b3Saxony\u00ab geh\u00f6rt seit 2022 zu den vom Freistaat unterst\u00fctzten Innovationsclustern. Sachsen f\u00f6rdert das Branchennetzwerk bis 2025 mit 2,15 Millionen Euro. Welche Vorhaben wollen Sie bis dahin umsetzen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frank Schladitz:<\/strong> Die Carbonbeton-Technologie wurde im Rahmen mehrerer gro\u00dfer Entwicklungsprojekte, die aus Sachsen heraus initiiert wurden, bis zur Marktreife entwickelt. Jetzt gilt es sicherzustellen, dass die Region auch langfristig davon wirtschaftlich profitiert. Hierzu sollen u. a. die Sichtbarkeit der s\u00e4chsischen Akteure erh\u00f6ht, die Vernetzung gest\u00e4rkt, die technologischen L\u00fccken geschlossen und der Wissens- und Technologietransfer ausgebaut werden. Insgesamt umfassen die Aktivit\u00e4ten die Bereiche \u00d6ffentlichkeits-, Transfer- und Infrastruktur-Offensiven.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>#ZUKUNFTblog:<\/strong> Ihr Verbund vernetzt die herausragenden s\u00e4chsischen Akteure auf dem Gebiet der Materialforschung. Welche Partner geh\u00f6ren dem Netzwerk an und wo liegen deren Schwerpunkte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frank Schladitz:<\/strong> Dem Netzwerk geh\u00f6ren Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft an, wobei fast die gesamte Carbonbeton-Wertsch\u00f6pfungskette, vom Rohstoff bis zum Recycling, abgedeckt ist. Der Schwerpunkt liegt aktuell im Bereich der Planung und Ausf\u00fchrung von Carbonbetonprojekten \u2013 sowohl in der Sanierung von bestehenden Stahlbetonbauwerken als auch im Neubau. In den kommenden Jahren wird der Fokus in Sachsen auf der Schlie\u00dfung der Wertsch\u00f6pfungskette und der Entwicklung von wichtigen Schl\u00fcsseltechnologien liegen, mit denen Sachsen seine Leitanbieter-Stellung ausbauen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>#ZUKUNFTblog:<\/strong> Woraus werden die Carbonfasern eigentlich gewonnen und wie f\u00e4llt die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz der Carbonbeton-Herstellung aus?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frank Schladitz:<\/strong> Carbonfasern bestehen zu ca. 99 Prozent aus Kohlenstoff. Dieser Kohlenstoff kann aus allem gewonnen werden, was Kohlenstoff enth\u00e4lt \u2013 somit aus fast allen organischen Materialien. Zum Beispiel aus Erd\u00f6l, Holz und dem CO<sub>2<\/sub> der Luft. Die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz pro Kilogramm Carbon ist zwar ca. zehnmal schlechter als die von Stahl. Da Carbon jedoch nur ein Viertel der Dichte aufweist und dar\u00fcber hinaus auch noch die sechsfache Tragf\u00e4higkeit besitzt, ben\u00f6tigt man nur ca. f\u00fcnf Prozent des Gewichts an Carbon im Vergleich zum Stahl und hat damit bereits eine hervorragende CO<sub>2<\/sub>-Bilanz der nichtrostenden Carbon-Bewehrung. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen Betonbauteile deutlich d\u00fcnner sein, da der Beton nicht mehr die Aufgabe hat, die innenliegende Bewehrung \u2013 bisher aus Stahl \u2013 vor Korrosion zu st\u00fctzen. Damit wird nicht nur der Betonverbrauch, sondern es werden vor allem die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen reduziert, was zu einer weiteren Verbesserung der CO<sub>2<\/sub>-Bilanz beitr\u00e4gt. Die Nutzung von \u00d6kobetonen und Recyclingbetonen, die f\u00fcr Carbonbeton hervorragend geeignet sind, verbessern die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz zus\u00e4tzlich. Schon heute wird eine Reduktion der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen um 50 Prozent erreicht. M\u00f6glich erscheinen bis zu 80 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>#ZUKUNFTblog:<\/strong> Welche Voraussetzungen m\u00fcssen erf\u00fcllt sein, damit die Bauwirtschaft Carbonbeton k\u00fcnftig im gro\u00dfen Ma\u00dfstab einsetzt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frank Schladitz:<\/strong> Wir m\u00fcssen bei den potenziellen Nutzern bzw. K\u00e4ufern Vertrauen zu der Technologie aufbauen. Wenn viele von der Carbonbetontechnologie \u00fcberzeugte Personen oder Organisationen dar\u00fcber positiv sprechen, ist man bestrebt, diese ebenfalls einzusetzen. Hierf\u00fcr gilt es, \u00fcber die immer gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Carbonbetonprojekten im Neubau und der Sanierung \u00f6ffentlich zu berichten. Es m\u00fcssen der barrierefreie Zugang zum Wissen \u00fcber den Carbonbeton weiter ausgebaut werden sowie Planungshilfen, Standards und Richtlinien noch umfangreicher bereitgestellt werden. An all diesen Dingen arbeitet unser C\u00b3-Verband intensiv. Im Januar 2023 beispielsweise erscheint das erste Handbuch Carbonbeton mit dem aktuellen Wissensstand zur Anwendung der neuen Bauweise \u2013 f\u00fcr Neubau sowie Ert\u00fcchtigung und Instandsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>#ZUKUNFTblog:<\/strong> Im Sommer 2022 haben Sie in Dresden den <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/tu-dresden.de\/bu\/bauingenieurwesen\/imb\/das-institut\/news\/feierliche-einweihung-des-weltweit-ersten-gebaeudes-aus-carbonbeton-cube-1\" target=\"_blank\">\u00bbCUBE\u00ab, das weltweit erste Geb\u00e4ude aus Carbonbeton<\/a>, eingeweiht. Welches Innovations- und Wertsch\u00f6pfungspotenzial besitzt der Werkstoff f\u00fcr die Forschung und Entwicklung in Sachsen insgesamt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frank Schladitz:<\/strong> F\u00fcr Carbonbeton werden u. a. passende Bewehrungen, Maschinen, Einbauteile, Logistiksysteme, Herstellverfahren, Recyclingprozesse, Software und Dienstleistungen ben\u00f6tigt und entwickelt. All diese Bereiche bieten in dem neu zu besetzenden Markt Innovations- und Wertsch\u00f6pfungspotenziale f\u00fcr Sachsen. Vor allem der Wissensvorsprung in der Region, die hohe Anzahl an Organisationen (Unternehmen und Hochschulen), die sich bereits seit Jahren dem Thema widmen, und die finanziellen Unterst\u00fctzungen des Freistaates Sachsens bieten &#8211; im Vergleich zu anderen Regionen &#8211; Potenziale, die es jetzt zu nutzen gilt. Sachsen hat das Potenzial, zum weltweiten Leitanbieter f\u00fcr Carbonbetonprodukte und -dienstleistungen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>#ZUKUNFTblog: <\/strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund: Innovationscluster in Sachsen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der F\u00f6rderwettbewerb \u00bbInnovationscluster\u00ab wurde im Juli 2017 gestartet. Mit dem Wettbewerbsaufruf setzte das Wirtschaftsministerium den zweiten Baustein der neuen Richtlinie Clusterf\u00f6rderung um, die im November 2016 vorgestellt worden war. 2021 fand eine <a href=\"https:\/\/medienservice.sachsen.de\/medien\/news\/1049395\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zweite Wettbewerbsrunde<\/a> statt, aus der C\u00b3Saxony hervorgegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesucht wurden jeweils anspruchsvolle, innovative und branchen\u00fcbergreifende Zukunftsideen, die von Unternehmen, Wissenschaftlern und weiteren Akteuren gemeinsam in einem Innovationscluster umgesetzt werden. Der Freistaat unterst\u00fctzt die ausgew\u00e4hlten Netzwerke mit jeweils bis zu f\u00fcnf Millionen Euro, die in einem Zeitraum von bis zu zehn Jahren eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Clustern, die aus der ersten Wettbewerbsrunde hervorgegangen sind, z\u00e4hlen <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/hzwo.eu\/\" target=\"_blank\">\u00bbWasserstoffland Sachsen\u00ab (damals \u00bbHZwo \u2013 Antrieb f\u00fcr Sachsen\u00ab)<\/a>,<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/rail-s.de\/innovationscluster\/set4future\/\" target=\"_blank\"> <\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/rail-s.de\/innovationscluster\/set4future\/\" target=\"_blank\">\u00bbSET4FUTURE\u00ab<\/a> (regionaler Schienenverkehr) und <\/li>\n\n\n\n<li>die Verwertungsoffensive <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/standort-sachsen.de\/de\/info-center\/nachrichten\/74889-startschuss-fuer-saechsischen-innovationscluster-smart-medical-devices-and-therapies\" target=\"_blank\">\u00bbSmart Medical Devices\u00ab<\/a> (intelligente Medizinprodukte). <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>\u00bbWasserstoffland Sachsen\u00ab hat 2022 als erstes Innovationscluster vom Freistaat eine <a href=\"https:\/\/medienservice.sachsen.de\/medien\/news\/1049248\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Anschlussf\u00f6rderung f\u00fcr die zweite Projektphase<\/a> erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p>Bildrechte: C\u00b3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carbonbeton gilt als Schl\u00fcsseltechnologie im Bauwesen, um die Klimaziele zu erreichen. 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