1. Herausgeber
Inhalt

Martin Dulig – ein Tag als Praktikant beim Fahrzeugzulieferer FEP in Pirna

Minister Martin Dulig und ein Mitarbeiter bei FEP arbeiten an einer Maschine mit einer blauen Rolle und weißem Gewinde.

(© Bildrechte)

Die Zulieferer in der Automobilindustrie haben derzeit viel zu tun: Der Wechsel von den herkömmlichen Antrieben mit rein fossilem Treibstoff auf neue, alternative Antriebsformen, setzt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Corona-Pandemie der vergangenen Monate verschärfte die Lage: Kurzarbeit, wegbrechende Aufträge, Umsatzausfälle. Grund genug für mich, nachdem das Konjunkturpaket in der Regierung beschlossen ist, in der Branche selbst mal einen Tag lang mit anzupacken. Und so führte mich mein erster Nach-Corona-Arbeitseinsatz für »Deine Arbeit, meine Arbeit« nach Pirna zu FEP (Fahrzeugelektrik Pirna).

Im Sekundentakt spucken die Maschinen kleine, schwarze, 12-polige Flachstecker aus. Stundenlang befüllen sie graue Kisten, die in Kartons umgeladen, dann verschlossen, etikettiert und an Automobilfirmen geliefert werden. Mehr als 1,4 Mrd. komplexe Kunststoffteile wie Steckverbinder, Öldruckschalter, Kabelführungen und Leuchtmittel produziert die FEP Fahrzeugelektrik Pirna jährlich auf rund 140 Spritzgießmaschinen für Kunden weltweit – hauptsächlich aus der Automobilindustrie.

Detailansicht einer Vielzahl unsortierter schwarzer Kleinteile.

(© Bildrechte)

Noch vor zwei Wochen wäre mein Arbeitseinsatz hier nicht denkbar gewesen. Als im Januar die ersten Aufträge aus China Corona-bedingt wegbrachen, wurde ein Notfallplan entwickelt. Dann traf die Epidemie Europa, auch die deutschen Autokonzerne stellten ihre Produktion ein – dies schlug mit voller Wucht auf die Fabrik in Pirna durch. Das Werk, welches sonst 24 Stunden in Betrieb ist, wurde im März heruntergefahren. Kurzarbeit 0 hieß es ab April für die 100 Mitarbeiter allein in meinem heutigen Bereich: der Kunststoffgießerei. In der Verwaltung traf es Tage später 80 Prozent der Mitarbeiter. Seit zwei Wochen fährt FEP die Produktion wieder hoch – 60 Prozent der Mitarbeiter sind wieder da, die Maschinen laufen wieder. »Wir hoffen, dass die Talsohle bald durchschritten ist«, sagt Peter Weber, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Vor allem in den USA und Mexiko sind die Auswirkungen noch deutlich zu spüren. »Deutschland fährt langsam wieder hoch, also bekommen wir auch wieder Aufträge.«

Ein Mitarbeiter bei FEP und Minister Martin Dulig sind hinter einer halbhohen Anlage zu sehen. Minister Dulig schaut auf die Anlage, der Mitarbeiter schaut den Minister an.

(© Bildrechte)

Um 6 Uhr beginnt mein Tag in Pirna. Nach einer Belehrung und entsprechenden Unterschriften – eine Mund-Nase-Maske muss ich in der Produktion nicht tragen – bringt mich Stefan Rietzschel, der Chef der Kunststoffgießerei, an meinen Arbeitsplatz. Einrichter Martin Rink ist heute mein Chef – ich sein Praktikant. Wie immer ist mein Besuch nicht vorher kommuniziert worden, doch er erkennt mich relativ schnell. Auch die Mitarbeiter um uns herum, bekommen schnell mit, wer heute in der Firma arbeitet. Das ist in Ordnung. In den Pausen sprechen wir – über Corona, Arbeitszeiten, Tarife.

Normalerweise braucht man für eine Maschine, um auf ein Produkt »umgerüstet« zu werden, knapp 2 Stunden. Mit mir sind es 3 – kein schlechter Wert, wird mir versichert. Denn bevor so eine Steckverbindung über Stunden produziert wird, muss sie exakt den vorgegebenen Maßen und Aussehen entsprechen. Dafür werden immer wieder kleine Proben genommen, vermessen, verglichen und, als wir uns sicher waren, dass es passt – noch einmal von der Produktkontrolle geprüft und abgenommen.

Ein Mitarbeiter bei FEP und Minister Martin Dulig stehen vor der Glasscheibe einer Anlage und schauen in diese hinein.

(© Bildrechte)

FEP mit seinen rund 140 Spritzgießmaschinen steht im laufenden technologischen Wandel der Zulieferer gut da. Das ist wichtig für die ganze Region: Immerhin ist FEP mit 490 Mitarbeitern das größte Unternehmen in der Stadt Pirna. »Aber auch wir mussten einiges überdenken und neue Dinge einführen«, erklärt mir Peter Weber später. »Doch Kabelverbindungen und Schaltelemente gibt es zum Glück auch in den künftigen Fahrzeugen noch genug.« Schwieriger ist es hingegen mit dem Nachwuchs: Auch ein sicherer Arbeitsplatz verspricht nicht automatisch viele Azubis. Da steht FEP nicht allein. Auch wir in der Regierung arbeiten weiter mit den Verbänden, Gewerkschaften und Unternehmen Ideen und Konzepte zum Thema Fachkräfte, um die Zukunft unserer Firmen zu sichern.

Kurz nach 14 Uhr ist für mich Feierabend. Martin Rink ist zufrieden: »Du hast nichts kaputt gemacht und fleißig und sauber gearbeitet!« Ein schönes Lob.

    © Institution