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Martin Dulig - drei Tage als Kellner auf dem Elbhangfest Dresden

»Zwei Rosé halbtrocken, ein Bier, einmal Erdnüsse und drei Glühwein.« So lautet die aktuelle Bestellung am hintersten Tisch im Garten des Solidaritäts-Cafés, die ich gerade aufnehme. Seit knapp drei Tagen kellnere ich im Garten zum Elbhangfest in Dresden. Ein Großteil der Einnahmen wird an den Ausländerrat der Stadt Dresden gespendet. In diesem Jahr wird es wohl wetterbedingt leider etwas weniger.

Denn das Wetter spielt einfach nicht mit – immer wieder Regen und biergartenwarm ist es auch nicht. Gerade Samstag-Nacht war es sogar richtig kalt. Meine Frau kommt letztlich auf die Idee auch Glühwein anzubieten. Wir schreiben draußen auf unser Schild am Tor: »Glühwein & Wolldecken«. Tatsächlich füllt sich seitdem der Garten. Wir haben offenbar die Marktlücke des diesjährigen Elbhangfestes entdeckt!

Viele der Besucher – aus allen Teilen des Landes – kenne ich schon aus den vergangenen Jahren. »Hey Martin, wieder hier«, werde ich oft begrüßt. Es sind echte »Stammgäste«, die ganz gezielt ins Solidaritäts-Café kommen. Sie kennen den guten Zweck, freuen sich auf ein lockeres Gespräch. Meine ganze Familie packt mit an – meine Frau und die Kinder sind in der Küche zugange, bereiten die Aufstriche fürs Fladenbrot zu, schenken die Getränke ein. Wie jedes Jahr helfen uns Freunde.

Einige Besucher haben von Bekannten erfahren, dass ich beim Elbhangfest immer mitarbeite. Sie fragen am Gartentor: »Ist das hier, wo der Minister ist?« Andere können mich mit meiner roten Schürze nicht wirklich zuordnen. Doch egal wie: Die Gespräche sind zwar kurz, aber herzlich. Denn ich bin nicht zum Reden, sondern vor allem zum Arbeiten da. Und so laufe ich die eine nach der anderen Runde durch den Garten. Bestellungen aufnehmen, in der Küche einreichen. Bestellungen bringen. Abrechnen. 16 Kilometer bin ich seit Freitag bereits vom kleinen Garten in die Küche und zurück gelaufen. Acht Stunden bin ich bereits auf den Beinen. Zwei folgen noch, dann ist Schluss – für dieses Jahr.

Es ist kein »normaler« Arbeitseinsatz in meiner Rubrik »Deine Arbeit, meine Arbeit.« Schließlich war ich schon öfter beim Elbhangfest zum Arbeiten – in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal. Und ja, ein echter Kellner hat noch viel mehr zu tun. Das weiß ich. Die Kollegen haben einen harten Job, laufen 10-15 Kilometer am Tag, tragen schwere Teller und Gläser, werden oftmals schlecht entlohnt und haben problematische Arbeitszeiten. Von alldem bekommen normalerweise Kunden nichts mit – denn Kellnerinnen und Kellner lächeln, sind freundlich und bemühen sich um den Gast.

Aber die drei Tage mit Tablett und Geldbörse in der Hand haben mir erneut einen groben Einblick davon gegeben, was Kellnerinnen und Kellner leisten. Ich sage nur: Respekt vor ihrer Arbeit!

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