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Martin Dulig – ein Tag als Praktikant bei Globalfoundries in Dresden

Scheinbar endlos lange Gänge ziehen sich durch die Hallen. Ein wenig erinnert mich die Arbeitsatmosphäre an einen Science Fiction Film: An schmalen Schienen surren im Sekundentakt kleine Roboter über mir. Die Fenster sind mit gelben Folien abgeklebt, damit kein UV-Licht den Raum flutet. Ein monotones Grundrauschen, das aus den sterilen grau-weißen Maschinencontainern kommt, übertönt alles. Alle tragen weiß-grau karierte Anzüge, mit Mundschutz, Haube, Handschuhen. Nur die Augen sind zu sehen. Die Szenerie ist surreal. Für einen Tag bin ich heute für mein Projekt »Deine Arbeit, meine Arbeit« als Helfer bei Globalfoundries in Dresden. Die Mitarbeiter sagen kurz Glofo.

Schon zu Beginn ist klar: Dieser Arbeitseinsatz wird heute völlig anders als jeder bisher. Als ich am frühen Morgen in der Lobby des Werkes von meinem heutigen Chef Holger Hasse abgeholt werde, geht es erst einmal zum Umziehen. Ich bekomme eine grüne Trainingshose und ein weißes Werks-Shirt – dazu weiße Schuhe. Meine private Kleidung wird im Spind eingeschlossen. Auch das Handy und alle anderen persönlichen Sachen bleiben da. Im Nachbarraum muss ich mich weiter »einkleiden« für den Reinraum: Über meine grüne Hose und mein Shirt kommt der dünne Schutzanzug. Handschuhe – einmal aus Stoff, darüber aus dünnem Gummi – sind obligatorisch. Haube und Atemschutz, eine Schutzbrille folgen. 20 Minuten dauert die Anziehprozedur. Dann geht es endlich durch die Schleuse ins Innere von Globalfoundries. Übrigens, wenn man mal zur Toilette muss oder Durst bzw. Hunger hat, dann zieht man sich wieder aus und später erneut an. Aber Übung macht den Meister: Am späten Nachmittag, beim 5. Mal, sind es nur noch 6 Minuten.

Bis zu meinem Arbeitsplatz sind es einige hundert Meter, die ich durch gleichaussehende Gänge laufe. Es ist schon eine surreale Atmosphäre – ich habe permanent das Gefühl, den gleichen Weg wieder und wieder zu laufen. Meinen Kollegen sind kaum zu erkennen. In ihrer Kleidung sehen für mich alle gleich aus. Holger lacht und meint: »Man gewöhnt sich daran. Ich erkenne meine Schäfchen am Gang.«

An den Arbeitsplätzen schaue ich heute meist zu – im Keller darf ich Fotolack-Behälter für die Masken tauschen. Richtig allein arbeiten kann ich heute kaum, da ich die ganzen Computer-Programme und vor allem die unzähligen Abkürzungen und Bezeichnungen gar nicht kenne. Zumal die Produkte hier im Werk letztlich einen Wert von einigen Millionen Euro haben. Da will ich lieber nichts kaputt machen.

Dafür sammle ich ständig neue Eindrücke. Das Werk von Globalfoundries in Dresden ist nicht nur die modernste Halbleiterfabrik Europas – sondern auch eine eigene Stadt für sich: Allein die Kantine hat rund um die Uhr für hunderte Mitarbeiter geöffnet. Über 3.000 Menschen arbeiten hier – Techniker, Ingenieure, Spezialisten aus vielen Ländern der Welt. Gesprochen wird meist deutsch – wenn ein Kollege dabei ist, der aus einem anderen Land stammt, wechselt das Gespräch wie selbstverständlich ins Englische. Internationalisierung ist hier Alltag.

Im Werk werden Mikrochips auf Wafern produziert – auf runden Siliziumscheiben. Um aus einem Rohwafer einen fertigen Wafer zu produzieren, sind über 1.000 Prozessschritte notwendig. Die kleinsten Strukturen auf einem Chip sind nur unvorstellbar winzige 22 Nanometer klein. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist 60 Mikrometer dick – also 60.000 Nanometer. Die fertigen Chips werden weltweit in Computern, Smartphones oder Tablets verbaut. Wenn ich sonst in meinen Reden von vernetzten Unternehmen spreche oder wie sich in Zukunft die Arbeit auf Grund der Digitalisierung verändern wird: Hier erlebe ich es im Regelbetrieb.

Kurz nach 14 Uhr ist für mich Feierabend. Ich bin zum Town-Hall-Meeting, einer kleinen Betriebsversammlung mit rund 400 Kollegen, eingeladen. Der Tag war spannend und lehrreich für mich. Ich konnte direkt einen Einblick in die Globalfoundries-Welt nehmen. An der Digitalisierung werden wir als Gesellschaft nicht vorbeikommen, das habe ich hautnah gemerkt. Aber wir können und müssen die Spielregeln bestimmen, damit sie die Arbeit erleichtert und unseren Alltag verbessert – und nicht zum Risiko oder zur Last wird. Ich bin vor allem beeindruckt, vom Teamgeist bei Glofo und dem Glauben an die eigene Arbeit. Meine Kolleginnen und Kollegen wissen, dass sie an der Zukunft mitarbeiten. Auch wenn es, wie in der jüngsten Vergangenheit Risiken und Rückschläge gibt – sie glauben an den Wert ihrer Arbeit und an ihre Produkte. Dafür ein großes: Respekt!

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