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Martin Dulig – Ein Tag als Verkäufer im Konsum Markkleeberg

Um 6.45 Uhr stehe ich am Zeitungsregal. Zeitungen, Zeitschriften Magazine – alles muss an seinem Platz liegen, die neuen Ausgaben müssen ausgelegt werden. Denn in in 15 Minuten öffnet der Konsum in Markkleeberg, in dem ich heute eine Schicht lang für mein Projekt »Deine Arbeit, meine Arbeit« mitarbeite. Dann müssen die Blätter vom Vortag verschwunden sein. Vom Bäckerstand am Eingang zieht ein leckerer Duft warmer Brötchen in den Laden.

Im schwarzen Konsumhemd, mit den leuchtend-grünen Streifen, sortiere ich bis 9 Uhr die Waren von sechs vollbepackten Rollbehältern – mannshohe Paletten – mit Joghurt, Milch, Käse, Butter und Quark in die Frischetheke. Jedes Produkt hat seine etwa 20 Zentimeter Platz im Kühlregal – allein bei über 50 verschiedenen Molkereiprodukten die reinste eine reinste Sucharbeit.

Filialleiterin Manuela Funke erklärt mir immer kurz, was ich machen soll, dann ist sie selbst beschäftigt. Für Pausen bleibt kaum Zeit – fast der ganze Laden wird Tag täglich bestückt. Später sagt sie: »Sie waren uns eine echte Hilfe, schnell und konnten kräftig mit anfassen!«

Saftflaschen in die Regale stellen, Wasserkisten hucken, Eier einsortieren, neue Preise unter die kleinen Plastikschilder schieben… »Alte« Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, werden entweder mit Sonderpreisen versehen oder aussortiert. Obwohl sie noch lange nicht schlecht wären, selbst wenn sie »abgelaufen« sind. So verläuft der Tag. Pause gibt es um 10.15 Uhr – eine halbe Stunde. Ich habe Hunger. Mit den Kolleginnen komme ich beim Essen ins Gespräch. Dreh- und Angelpunkt ist die schlechte Bezahlung der Mitarbeiter im Einzelhandel generell. Daher ist das Engagement der Angestellten hier bewundernswert – denn ihre Tätigkeit ist nicht nur durch den Schichtbetrieb herausfordernd, sondern auch körperlich anstrengend.

Es ist auffällig, wie wenig die Arbeit der – vor allem weiblichen – Angestellten von den Kunden geschätzt wird. Mit ihren Einkaufswagen drängeln sie sich viele an den Kolleginnen vorbei, während sie die Regale einräumen. Selten gibt es ein freundliches Wort oder einen Gruß. Vor allem die jüngeren Kunden sind hektisch, schauen die Mitarbeiter kaum an. Für ältere Menschen ist der Konsum hingegen ein sozialer Treffpunkt. Sie kennen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unterhalten sich mit ihnen. Auch ich werde immer wieder freundlich gegrüßt und dabei auch erkannt – vor allem von älteren Damen. Oft trinken die älteren Kundinnen und Kunden nach ihrem Einkauf beim Bäcker noch einen Kaffee.

Von 7 bis 22 Uhr, montags bis samstags, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konsums für ihre Kunden da. Diese Arbeitszeiten sind alles andere attraktiv, gerade bei jungen Leuten. Trotz alledem gehen all meine Kollegen hier beim Konsum voll motiviert an die Arbeit. Es ist ein tolles Team, in dem ich heute mitarbeiten durfte – es verbreitet gute Stimmung und ist vollends für seine Kundschaft da. Die Mitarbeiter im Einzelhandel und in den Märkten verdienen wirklich meine Hochachtung und meinen großen Respekt!

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