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Martin Dulig – Ein Tag als Monteur in der i3-Produktion bei BMW in Leipzig

Klipp, fertig. Die himmelblauen Zierleisten des i3 drücken sich in wenigen Sekunden in die am Förderband hängenden Elektro-BMW. Anschließend werden mit einem Akkuschrauber unter dem Fahrzeug fünf Schrauben angezogen. Nach 240 Sekunden ist der Arbeitstakt beendet. Wie von Geisterhand setzt sich die Taktstraße in Bewegung, kommt das nächste Fahrzeug angeschwebt.

Seit 5.45 Uhr arbeite ich heute bei BMW in Leipzig. Nach meiner Arbeitsschutzbelehrung und den obligatorischen Einweisungen, erhalte ich meine blaue Latzhose und mein BMW-Shirt. Dann lerne ich meinen Teamleiter Daniel Neumeister (45) kennen. Da regelmäßig Mitarbeiter aus der Verwaltung, ob aus München oder Leipzig, in der Produktion einen Tag mitarbeiten, um die praktischen Arbeitsabläufe kennenzulernen, falle ich nicht groß auf. Ich werde als Kollege aus der Verwaltung  vorgestellt. Per »Du« sind wir alle bei BMW ohnehin sofort. Viele Kollegen grübeln erst, wer ich bin – im Arbeitsoutfit passe ich wohl nicht in das Raster. Zur Mittagszeit, in der Kantine, spreche ich es dann auch offen aus, wer ich bin. Spätestens, als Werksleiter Hans-Peter Kemser mich am frühen Nachmittag am Band begrüßt, ist das kleine Geheimnis Geschichte.

In der Frühstückspause unterhalte ich mich mit meinen Kollegen aus dem Team. Wir reden über E-Mobilität, den Einsatz von Dieselfahrzeugen, Arbeitszeiten und über andere aktuelle Themen. Hier fallen zum Teil sehr klare Worte, die ich gut verstehen kann. Dann geht’s wieder ans Band. Diesmal werden die Frontleuchten montiert. An jedem i3 ist ein Klebezettel angebracht, der genau die Konfiguration vorschreibt. Über Abkürzungen ist genau herauszulesen, wohin die Wagen verkauft werden sollen: China, Japan, Dänemark, Schweden – aber auch nach Deutschland.

25 Takte werden auf meinem Band in der Endmontage des i3 abgearbeitet. Viele davon lerne ich heute kennen: Stoßdämpfer anbauen, Stecker montieren, Schrauben eindrehen, Seitenwände vorn einsetzen… Es sind zwar viele verschiedene Aufgaben zu erfüllen, dennoch ist die Aufgabe recht monoton. Für etwas Ablenkung sorgt die Musik aus dem Radio, welche in der Halle läuft. Beeindruckt bin ich, wie ergonomisch die Arbeitsplätze eingerichtet sind. Bei anderen Tätigkeiten meiner Reihe „Deine Arbeit, meine Arbeit“ hatte ich am Abend größere Rückenschmerzen. 185 BMW i3 gehen heute auch »durch« meine Hand. Mit allen anderen Fahrzeugtypen stößt das Leipziger BMW-Werk täglich über 1.000 Autos aus, im vergangenen Jahr waren es 240.000. Rund 5.300 Mitarbeiter arbeiten hier: Sie pendeln täglich nicht nur aus Sachsen nach Leipzig – etwa aus dem Erzgebirge –, sondern auch aus Thüringen und Sachsen-Anhalt. Ihnen ist ihre »Gute Arbeit« durchaus bewusst.

Als um 14 Uhr die Schicht rum ist, verabschiedet sich mein Teamleiter Daniel Neumeister von mir: »Du stellst dich sehr geschickt an. Man sieht gleich, dass du nicht zum ersten Mal mit deinen Händen arbeitest. Nach 8 Stunden bist du gut in der Arbeit und sehr gut im Team integriert.« Das freut mich natürlich. Das Werk ist fast familiär geführt, der Umgang untereinander ist offen und freundlich. Ich habe großen Respekt vor meinen Kolleginnen und Kollegen, die hier Tag täglich gute Arbeit machen: Sie arbeiten hochkonzentriert an immer wiederkehrenden Takten, in dem Wissen, dass ihre Arbeit für die Qualität einer ganzen Marke steht.

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